Chemie
Flaute legt Tücken des Chemieverbunds offen

Der heftige Einbruch der Nachfrage stellt die Chemiebranche und ihre Abnehmer vor bisher nicht bekannte Herausforderungen. Der Absatzrückgang führt zur Verknappung wichtiger Chemikalien. Die Krise nährt die Zweifel an den Vorzügen einer durchintegrierten Produktionsstruktur.

FRANKFURT. Der heftige Einbruch der Nachfrage stellt die Chemiebranche und ihre Abnehmer vor bisher nicht bekannte Herausforderungen. Die Produktion ist innerhalb der Chemiefirmen und zwischen ihnen traditionell tief vernetzt. Nun führen großflächige Produktionskürzungen dazu, dass es bei noch begehrten Chemikalien etwa für die Pharmabranche zu ungewohnten Engpässen kommt. Zudem erwarten Branchenexperten, dass stark durchintegrierte Konzerne vom massiven Rückgang stärker belastet werden. Spezialisierte Firmen, die nur einzelne Fertigungsstufen haben, sind weniger betroffen.

Eklatantes Beispiel für einen ungewollten Engpass ist die Chemikalie Acetonitril. Das Lösungmittel entsteht als Abfallprodukt in der Kunststoff-Produktion und ist durch die dortigen Produktionskürzungen knapp geworden. Doch für Analytik-Labore und Pharmafirmen ist die Substanz ein nahezu unverzichtbarer Hilfsstoff zur Analyse. Die Preise für Acetonitril sind als Folge des Engpasses zuletzt extrem gestiegen.

Ob ähnlichen Effekte bei anderen Chemikalien drohen, ist schwer einzuschätzen. BASF oder Merck sehen keine vergleichbaren Engpässe und verweisen darauf, dass die meisten Nebenprodukte auch durch selektive Verfahren herstellbar sind. Nach Informationen des Branchenverbands VCI sind allenfalls punktuelle Knappheiten zu beobachten.

Chemiehändler hingegen schließen nicht aus, dass eine größere Zahle von Chemikalien betroffen sein könnten. "Einige Produkte, die bisher problemlos verfügbar waren, wird es womöglich nur noch in begrenzter Menge geben", warnt Carsten Nöthe, Manager bei der Hamburger Boddin Chemiehandel GmbH. Nicht nur die Versorgung mancher Abnehmer, auch die Produktionssteuerung bei den Chemiefirmen selbst wird auf eine harte Probe gestellt. Denn bei zahlreichen Prozessen entstehen neben dem Hauptprodukt eine Reihe von Nebensubstanzen, die wiederum als Ausgangsmaterialien für weitere Produkte genutzt werden können.

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