Chemie
Gläubiger dürfen gegen Lyondell-Führung klagen

Jetzt haben die Gläubiger das Wort: Zwei Jahre nach der milliardenschweren Fusion Basells mit Lyondell hat ein US-Gericht eine Schadensersatzklage zugelassen. Ein bedeutender Schritt.

Reuters/shf NEW YORK. Zwei Jahre nach der milliardenschweren Fusion Basells mit Lyondell haben nun die Gläubiger des inzwischen insolventen US-Petrochemiekonzerns das Wort. Ein New Yorker Konkursgericht ließ eine Schadenersatzklage der Kreditgeber gegen alle Banken und Berater zu, die den Kauf Lyondells durch das ehemalige BASF - und Shell-Gemeinschaftsunternehmen Basell finanziert und begleitet haben.

Die Gläubiger des Unternehmens machen einen Schaden von 22 Milliarden Dollar geltend, der ihnen durch die Übernahme entstanden sei. Die fusionierte Firma sei von Anfang an so sehr von Schulden und Liquiditätsengpässen belastet gewesen, dass die angekündigten Synergien und Geschäftsperspektiven leere Versprechen gewesen seien.

Die Gläubiger dürfen zudem die Manager des Konzerns und den Großinvestor Len Blawatnik wegen Missmanagements und Verletzung der treuhänderischen Pflichten verklagen. Lyondell-Basell hatte um einen Aufschub dieses Teils des Verfahrens gebeten. Richter Robert Gerber nahm jedoch die gesamte Klage der Kreditgeber an.

Der Milliardär aus Russland hatte den Kunststoffhersteller Basell 2005 über seine Investmentfirma Access Industries von den Vorbesitzern BASF und Shell gekauft. Zwei Jahre später erwarb Basell auf Initiative Blawatniks den amerikanischen PetroChemiehersteller Lyondell für 12,7 Milliarden Dollar, die komplett über Kredite finanziert wurden. Da Lyondell zusätzlich rund sechs Mrd. Dollar Schulden in der Bilanz mitbrachte, erhöhte sich die Gesamtverschuldung des neuen Konzerns auf rund 24 Mrd. Dollar.

Dieses Niveau konnte der Chemieriese angesichts des Konjunktureinbruchs im zweiten Halbjahr 2008 nicht mehr verkraften. Anfang 2009 begab er sich daher mit seinen gesamten US-Aktivitäten und zwei europäischen Holdingfirmen unter Gläubigerschutz nach Chapter 11 der US-Insolvenzordnung.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens dürften die bisherigen Gläubiger einen Großteil ihrer Ansprüche verlieren. Einen Plan zur Reorganisation will das Management bis Mitte September vorlegen. Eine rund acht Mrd. Dollar schwere Zwischenfinanzierung für das Verfahren läuft noch bis Dezember.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%