Chemie
Harte Schnitte für Lyondell-Gläubiger

Die Kapitalanteile an Lyondell-Basell sind praktisch wertlos, das extrem hoch verschuldete Unternehmen ist insolvent. Ziel des Insolvenzverfahrens ist nun ein drastischer Schuldenabbau. Eigner Blavatnik reduziert seinen Anteil am Chemiekonzern auf 50 Prozent, um sich bestimmte Möglichkeiten offen zu halten.

FRANKFURT. Beim insolventen Chemieriesen Lyondell-Basell bringen sich die Akteure offenbar zusehends für die Zeit nach der Pleite in Stellung. Die tonangebende Rolle dürfte dann vor allem die amerikanische Investmentgruppe Apollo spielen, die den Löwenanteil der Insolvenzfinanzierung stellt.

Gleichzeitig versucht offenbar auch der bisherige Eigner Len Blavatnik, der Lyondell-Basell bislang über seine Industrieholding Access Industries kontrollierte, sich gewisse Möglichkeiten offen zu halten, mit dem Chemiekonzern Geschäfte zu machen. Der aus Russland stammende Unternehmer hat dazu 50 Prozent seiner Anteile an Lyondell-Basell an den befreundeten Investor Andreas Heeschen abgegeben, der auch eine Mehrheit am Waffenhersteller Heckler & Koch hält. Blavatnik will sich nach Einschätzung von Unternehmenskennern mit diesem Manöver die Möglichkeit offen halten, Assets aus Lyondell-Basell herauskaufen zu können. Das wäre ihm als Mehrheitseigner nicht möglich.

Die Kapitalanteile an Lyondell-Basell sind praktisch wertlos, seit der mit 24 Mrd. Dollar verschuldete Chemiekonzern Anfang des Jahres mit seinen US-Aktivitäten und zwei europäischen Holdingfirmen unter Gläubigerschutz nach Chapter 11 der US-Insolvenzordnung flüchtete.

Die extrem hohe Verschuldung des Konzerns resultiert vor allem aus der 19 Mrd. Dollar teuren und komplett kreditfinanzierten Übernahme von Lyondell durch Basell Ende 2007. Dadurch entstand einer der weltweit größten Chemiekonzerne mit zuletzt rund 50 Mrd. Dollar Umsatz. Als Hersteller von Basis-Chemikalien und-Kunststoffen wurde Lyondell-Basell jedoch mit voller Wucht vom Konjunktureinbruch getroffen.

Ziel des Insolvenzverfahrens ist nun ein drastischer Schuldenabbau. "Wir müssen die Bilanz in eine vernünftige Relation zu den Geschäftsmöglichkeiten bringen", sagte Firmenchef Volker Trautz jüngst auf der Handelsblatt-Tagung Chemie. Einen Sanierungsplan muss das Management bis Mitte September vorlegen.

Gelingt ein erfolgreicher Abschluss des Chapter-11-Verfahrens, dürfte das Unternehmen komplett in die Hände der Gläubiger wandern, insbesondere jener Geldgeber, die die so genannte "debtor-in-posession" (DIP)-Finanzierung aufbringen. Diese Kredite im Volumen von rund acht Mrd. Dollar, darunter fünf Mrd. Dollar umgewandelte Altkredite und gut drei Mrd. Dollar frische Liquidität, dienen der Weiterführung des Unternehmens im Insolvenzverfahren. Sie werden hoch verzinst und sind vorrangig vor allen anderen Verbindlichkeiten besichert.

Besonders stark in der DIP-Finanzierung ist die Apollo-Gruppe engagiert, die auch den amerikanischen Spezialchemiehersteller Hexion kontrolliert. Apollo ist nach Informationen aus Unternehmenskreisen mit 2,6 bis drei Mrd. Dollar an der DIP-Finanzierung beteiligt und dürfte daher möglicherweise als Mehrheitseigner des Chemieriesen aus dem Verfahren hervorgehen.

Fachleute gehen davon aus, dass die künftige Kapitalstruktur auf einem Unternehmenswert (Enterprise-Value) von etwa 14 Mrd. Dollar basieren könnte. Die Ratingagentur Standard & Poor's kalkuliert einen solchen Wert unter der Annahme, dass der Konzern bis 2013 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von durchschnittlich 2,8 Mrd. Dollar pro Jahr erzielen kann.

Je nachdem, auf welche Eigenkapitalausstattung man sich einigt, müssen die Gläubiger auf Basis dieser Schätzungen auf Forderungen von mindestens zehn Mrd. Dollar verzichten, möglicherweise auch deutlich mehr. Das würde darauf hinauslaufen, dass neben den unbesicherten Gläubigern auch die Inhaber von Senior Bonds erheblich Federn lassen müssten. S&P sieht für diese besicherten Forderungen Rückzahlungsraten von 50 bis 70 Prozent.

Der bisherige Eigner Blavatnik dürfte mit Lyondell-Basell dagegen kaum Geld verloren haben. Sein Eigenkapital bei Basell hatte er zum Teil bereits über Ausschüttungen zurückerhalten. Zudem hatte sich Blavatnik 2007 einen größeren Anteil an Lyondell gesichert, den er im Zuge der Übernahme dann an Basell verkaufte. Er dürfte dabei mehrere Hundert Millionen Dollar Gewinn eingestrichen haben.

Chemie-Riese auf tönernen Füßen

Herkunft

Basell wurde Anfang des Jahrzehnts als Gemeinschaftsunternehmen von BASF und Shell zur Herstellung der Standardkunststoffe Polypropylen und Polyethylen gegründet. Zuvor hatten die Partner bereits Geschäfte von Hoechst und Montedison erworben.

Verkauf

2005 entschlossen sich BASF und Shell zum Rückzug aus Basell und verkauften das Unternehmen für 4,4 Mrd. Euro einschließlich übernommener Schulden an Access Industries, eine Investmentgruppe, die von dem russischen Unternehmer Len Blavatnik kontrolliert wird. Das Kunststoffgeschäft von Basell entwickelte sich zunächst noch positiv.

Expansion

Auf dem Höhepunkt der Chemiekonjunktur kaufte Basell auf Druck von Mehrheitseigner Blavatnik 2007 den US-Konzern Lyondell für rund 19 Mrd. Dollar. Basell erweiterte damit das eigene Programm um wichtige Basischemikalien und wurde zu einem großen Raffineriebetreiber. Die Finanzierungskosten von jährlich zwei Mrd. Dollar konnte der Konzern nach dem Konjunktureinbruch 2008 aber nicht mehr verkraften.

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