Chemie-Industrie
Ätzende Aussichten in der Chemiebranche

Der Wind hat sich scharf gedreht: In der Chemie-Industrie deutet sich einer der schwierigsten Abschwung-Phasen seit Jahrzehnten an. Schon jetzt gehen die operativen Erträge deutlich zurück. Vor allem die Massenanbieter sind betroffen.

FRANKFURT. In der Chemiebranche hat sich der Wind in den vergangenen Wochen scharf gedreht. Liefen die Geschäfte bis zur Jahresmitte noch vergleichsweise rund, deutet sich inzwischen eine der schwierigsten Abschwungphasen seit Jahrzehnten an.

Die jüngsten Quartalsberichte führender Anbieter liefern dafür die ersten konkreten Signale. Zwar sind die Umsätze in aller Regel noch gestiegen. Doch die operativen Erträge waren bei den meisten Unternehmen, die bisher Zahlen vorlegten, deutlich rückläufig. Bei BASF und Dupont etwa lagen die reinen Chemie-Erträge um gut ein Drittel niedriger als im Vorjahr. Bei Dow und im Kunststoffgeschäft des Bayer-Konzerns fielen die Einbußen noch stärker aus. Und die nächsten Quartale dürften eher noch schwieriger werden, wie die eher düsteren Ausblicke der Unternehmen zeigen.

Die führenden Vertreter der Branche haben ihre Prognosen inzwischen fast durchweg nach unten korrigiert. BASF-Chef Jürgen Hambrecht spricht von "Anzeichen einer rezessiven Entwicklung", die sich voraussichtlich im kommenden Jahr noch verschärfen werde. Sein Kollege Andrew Liveris, CEO des US-Konzerns Dow, sieht bereits eine Weltrezession heraufziehen.

Auch die meisten Analysten haben vor diesem Hintergrund ihre Erwartungen nochmals zurückgeschraubt. "Das Jahr 2009 könnte für viele Unternehmen bitter werden", warnt Christian Faitz vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Experten der US-Bank JP Morgan kürzten ihre Gewinnprognosen für den Chemiesektor jüngst um 13 Prozent für 2009 und 17 Prozent für 2010.

Die Chemie-Industrie gilt in weiten Teilen als früher Indikator der konjunkturellen Lage der Weltregionen: Kunststoffe sind in praktisch jedem Konsum- und Investitionsgut zu finden, andere Chemieprodukte wie Klebstoffe werden in den verschiedensten Industriebranchen eingesetzt. Die konjunkturellen Auswirkungen auf die verschiedenen Zweige der Chemieindustrie sind aber unterschiedlich.

Ein Risiko für die Branche insgesamt aber ist das Tempo, mit dem sich Nachfrageschwächen über die USA hinaus in andere Regionen ausbreiten. Zudem herrscht nach wie vor extrem große Unsicherheit mit Blick auf die Entwicklung im nächsten Jahr. "Wir registrieren die Blitze des herannahenden Sturms, können aber noch nicht sehen, wie sich das ganze am Ende auswirkt", sagte Chad Holliday, der scheidende Chef des US-Konzerns Dupont, der Finanznachrichtenagentur Bloomberg .

Deutlich betroffen sind bisher vor allem jene Sparten, die stark an die Automobilindustrie oder den Bausektor liefern. So sind unter anderem im Kunststoff- und Lackbereich die Erträge bereits auf breiter Front unter Druck geraten. Etliche Unternehmen verbuchten in diesen Segmenten im dritten Quartal auch Absatzrückgänge. Der niederländische Branchenriese Akzo-Nobel etwa, weltgrößter Hersteller von Farben und Lacken, leidet derzeit vor allem unter der Krise auf dem Häusermarkt in den USA und Teilen Europas.

Die Experten der Rating-Agentur Standard & Poor?s gehen davon aus, dass die weltweite Chemieindustrie im vierten Quartal insgesamt allenfalls noch ein geringes Wachstum, möglicherweise sogar einen Rückgang ihrer Absatzmengen verzeichnen wird. Und diese Absatzschwäche werde womöglich länger anhalten als in der letzten Rezession in den Jahren 2001 und 2002, erwarten die Analysten.

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