Chemie-Industrie
Chemie traut dem Aufschwung nicht

Nach einem heftigen Einbruch zur Jahreswende arbeitet sich die Chemie-Branche langsam aber stetig aus der Krise heraus: Seit rund sieben Monaten nehmen Produktion und Umsatz wieder zu. Die Branche bleibt aber skeptisch mit Blick auf den China-Boom und die Ertragsaussichten.

FRANKFURT. Die europäische Chemie-Industrie arbeitet sich in kleinen Schritten aus der Talsohle heraus. Nach wie vor herrscht in der Branche aber Unsicherheit darüber, wie nachhaltig die jüngste Belebung ist und wie gut man steigenden Rohstoffkosten verkraften kann. Eine Rückkehr auf das frühere Ertragsniveau sehen Fachleute erst in einigen Jahren.

Nach dem drastischen Einbruch zur Jahreswende legen Produktion und Umsätze der Chemiebranche seit etwa sieben Monaten wieder stetig zu, wobei gegenüber den Vorjahreswerten noch immer erheblicher Rückstand besteht. "Das Schlimmste ist überstanden, aber der Branche steht ein langer und harter Aufstieg aus einem tiefen Tal bevor", heißt es im jüngsten Trendreport des europäischen Branchenverbands Cefic. Den Daten des Verbands zufolge hat die Produktion der Branche seit Februar zwar um mehr als ein Zehntel zugelegt, lag im Juli aber noch um etwa zwölf Prozent unter Vorjahresniveau. "Die Branche spürt zaghafte Signale der Erholung, aber es wird Jahre dauern bis wir auf das Niveau von Anfang 2008 zurückkehren", erklärte Cefic-Präsident und Chef des belgischen Chemiekonzerns Solvay, Christian Jourquin.

Die stärksten Erholungstendenzen zeigt das Chemiegeschäft nach Angaben von Branchenvertretern in Ostasien und China, während sich das Europageschäft nur moderat erholt und Nordamerika offenbar noch weiter zurückbleibt. Für das Gesamtjahr gehen sowohl die Cefic als auch der amerikanische Chemieverband ACC bisher von einem Rückgang der Produktion um zehn bis elf Prozent gegenüber dem Vorjahr aus.

Bei den großen börsennotierten Chemiefirmen lagen die Umsätze im ersten Halbjahr um etwa ein Fünftel, die operativen Erträge um zwei Drittel unter Vorjahresniveau. Ende des vergangenen Jahres musste die Branche ihre Produktion um rund ein Viertel drosseln, was zahlreiche Hersteller zur vorübergehenden Stilllegung zahlreicher Fabriken zwang.

Diese Einschnitte werden inzwischen teilweise korrigiert. Etliche deutsche Chemiekonzerne haben zum Beispiel ihre Kurzarbeit in jüngerer Zeit reduziert oder ausgesetzt. Branchenführer BASF kündigte in der vergangenen Woche an, einen im März stillgelegten Steamcracker wieder in Betrieb zu nehmen und damit die Produktion von chemischen Basisprodukten wieder zu erhöhen. Die Anlagenauslastung habe sich in der letzten Zeit erhöht, liege aber, verglichen mit früheren Jahren, immer noch auf einem sehr niedrigen und unbefriedigenden Niveau, sagte dazu BASF-Manager Bernhard Nick, der das Ludwigshafener Hauptwerk des Chemieriesen leitet. "Gegenüber dem ersten Halbjahr geht es uns etwas besser aber noch lange nicht gut."

Der amerikanische Chemiehersteller Dupont kündigte vor wenigen Tagen an, dass eine Rückkehr auf das Ertragsniveau von 2008 wohl zweieinhalb bis drei Jahre erfordern werde. Eher vorsichtig schätzt man die Lage auch beim arabischen Chemieriesen Sabic ein. Das Geschäft habe sich in den letzten sechs Monaten nach und nach gebessert, so Charlie Crew, Chef der Kunststoff-Tochter Sabic Innovative Plastic. "Aber wir wissen nicht, wie viel davon echte Nachfrage ist und wie viel nur Lageraufbau."

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