Chemie kommt an die Börse
Bayer-Konzern verlagert sein Gewicht

Lange hatte der Bayer-Konzern dem Trend zur Spezialisierung und damit der Trennung von der Chemie und den Polymeren getrotzt. Aber Lipobay-Affäre, Konjunkturschwäche und veränderte Marktbedingungen zwangen letztlich zum Umdenken.

HB LEVERKUSEN. "Wir sind ein integrierter Chemie- und Pharmakonzern", entgegnete der frühere Bayer-Chef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Schneider allen Forderungen nach einem Strategiewechsel. Sein Nachfolger Werner Wenning blieb der Line zunächst treu. Doch Lipobay-Affäre, Konjunkturschwäche und veränderte Marktbedingungen zwingen zum Umdenken: Bayer wird mit dem geplanten Börsengang der Chemiesparte und der stärkeren Konzentration der Geschäfte auf Gesundheit und Pflanzenschutz sich mehr in Richtung "Life-Science"-Konzern wandeln.

Börsianer hatten immer wieder die Trennung von der Chemie und den Polymeren gefordert. Das wichtigste Argument des Vorstands: Mit einer möglichst breiten Aufstellung könne das Unternehmen zyklische Schwankungen in einzelnen Sparten wieder ausgleichen. Doch das fordert einen Preis. An der Börse werden solche Konzerne mit einem so genannten Konglomeratabschlag bestraft.

Nach Angaben von Experten beträgt der Abschlag im Falle von Bayer rund 15 %. Das sind etwa 4 ?, die jede Aktie zusätzlich an Wert gewinnen könnte. In der Theorie werden solche Abschläge deshalb veranschlagt, weil Investoren bei Aktienkäufen nie das bekommen, was sie eigentlich haben möchten - nämlich den Titel einer bestimmten Branche wie Pharma oder Chemie. Zudem werde die Bewertung der Aktie schwieriger, weil dabei die Bedingungen Verschiedener Branchen berücksichtigt werden müssten und manche Posten schwer zurechenbar seien.

Den lupenreinen Life-Science-Konzern (Mensch, Tier, Pflanze) wird es zwar auch in Zukunft nicht geben. Es sei aber ein Schritt in die richtige Richtung, sagt Pharma-Analyst Andreas Theisen von der WestLB Equity Markets. "Es geht um die Konzentration der Geschäfte auf starke Marktpositionen und hohe Profitabilität." Der Bereich Polymere bleibt auch künftig in abgespeckter Form ein Kerngeschäft. Mit Polyurethanen, Polycarbonaten und Lackrohstoffen verfüge Bayer weltweit über anerkannte Spitzentechnologien, erklärte Bayer-Chef Wenning am Freitag.

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