Chemie- und Pharmakonzern
Bayer mit Rückgang in der Kunststoffsparte

Die Konjunkturkrise hat auch den Chemie- und Pharmakonzern Bayer erreicht: In der Sparte hochwertige Kunststoffe (MaterialScience) seien Umsatz und Ergebnis im Oktober und November "erheblich" gesunken, sagte Bayer-Vorstandchef Werner Wenning am Freitag in Leverkusen.

HB LEVERKUSEN. Konkrete Zahlen nannte er nicht. "Das wirtschaftliche Umfeld hat sich in den vergangenen Wochen dramatisch verschlechtert", sagte Wenning laut Redemanuskript. "Dennoch bleiben wir für Bayer zuversichtlich." Die beiden anderen Sparten Gesundheit (HealthCare) und Pflanzenschutz (CropScience) machten 70 Prozent des Umsatzes aus und seien "deutlich unabhängiger von konjunkturellen Schwankungen." Die Politik müsse Forschung und Entwicklung der Unternehmen steuerlich stärker fördern.

Bei MaterialScience habe Bayer bereits mit einer Drosselung der Produktion gegengesteuert, sagte der Vorstandschef beim Presseforum "Bayer Innovationsperspektive 2008". Für 2009 würden in dieser Sparte Kurzarbeit und vorübergehende Stilllegungen vorbereitet. Bei den Teilkonzernen HealthCare und CropScience erwarte der Bayer-Vorstand hingegen, die gesteckte Ziele zu erreichen. Es zeige sich gerade auch in Krisenzeiten, dass der Konzern mit seinen langfristig ausgelegten Unternehmensstrategien richtig aufgestellt sei. Im Mittelpunkt sollen Wenning zufolge Innovationen bleiben, Forschung und Entwicklung (F+E) würden noch ausgebaut.

Von der Politik verlangt der Vorstandschef eine stärkere steuerliche Förderung von F+E über eine erhöhte Absetzbarkeit dieser Aufwendungen, wie dies andere europäische Länder bereits eingeführt hätten. Das könne zusätzliche Anreize für Investitionen und Innovationen schaffen. Bayer beschäftigt 11 800 Forscher und Entwickler, von denen 6300 in Deutschland tätig sind. Mit einem Forschungsbudget von 2,8 Mrd. Euro habe der Konzern 2008 fünf Prozent der F+E-Ausgaben der gesamten deutschen Wirtschaft beigesteuert.

Zugleich verlangte der Bayer-Chef einen besseren weltweiten Patentschutz. Im März hatte Bayer durch einen Gerichtsentscheid in den USA das noch einige Monate laufende Patent für das umsatzstarke Verhütungsmittel Yasemin im Rechtsstreit mit einem Generika- Hersteller verloren. Im vergangenen Jahr meldete Bayer Wenning zufolge 774 Erfindungen zum Patent an.

Nach einem glänzenden Geschäftsjahr 2007 peilt der Konzern nach früheren Angaben auch für 2008 ein Rekordjahr an. 2007 hatte Bayer mit weltweit 106 200 Mitarbeitern erstmals einen Umsatz von mehr als 32 Mrd. Euro erzielt. Im Pharma-Bereich hat Bayer derzeit 50 Entwicklungsprojekte in der klinischen Phase. Bei CropScience will der Weltmarktführer in der Agrochemie zwischen 2008 und 2012 zehn neue Pflanzenschutz-Wirkstoffe auf den Markt bringen, kündigte Wenning an. In der Sparte MaterialScience gehörten Klimaschutz, umweltschonende Produktionsmethode und die Nanotechnologie zu den Schwerpunkten.

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