Chemie- und Pharmakonzern hat Umsatz und Ertrag im vergangenen Jahr gesteigert
Bayer setzt sich ehrgeizige Ziele

Die Bayer AG hat im vergangenen Jahr den größten Konzernumbau der Unternehmensgeschichte nach zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen. Für das laufende Jahr setzt sich Vorstandsvorsitzender Werner Wenning aber Ziele, die so ehrgeizig sind, dass die Analysten Zweifel anmelden.

abo LEVERKUSEN. Seit Beginn des Umbaus im Jahr 2002 hat Bayer für 10,4 Mrd. Euro Unternehmensteile zugekauft und durch Verkäufe und Ausgliederungen 7,1 Mrd. Euro eingenommen. Die größte Maßnahme war die Verselbstständigung des Chemiebereichs Lanxess per Börsengang im vergangenen Jahr.

Doch auch in der neuen Struktur bleiben noch Wünsche offen: "Bayers neues Portfolio bleibt weiterhin erklärungsbedürftig", meint ein chemieerfahrener Managementberater, der den Konzern seit langem beobachtet. Die verbleibenden drei Teilkonzerne Gesundheit, Pflanzenschutz und Hochleistungsmaterialien seien größer, als es betrieblich sinnvoll ist, und Synergien zwischen ihnen seien kaum zu erwarten. So werde Bayer von Investoren weiterhin als Konglomerat betrachtet und mit einem Kursabschlag belegt.

Das Papier hatte allerdings seit Ankündigung der Lanxess-Ausgliederung im November 2003 mit einem Plus von 34 Prozent doppelt so stark zugelegt wie der Dax. Deswegen sieht sich Werner Wenning auf dem richtigen Weg: Alle drei Teilkonzerne seien jetzt gut positioniert. Mit dem Roche-Zukauf sei Bayers Gesundheitsgeschäft, das Wenning mit 8,5 Mrd. Euro Umsatz als größtes Gesundheitsunternehmen in Deutschland bezeichnete, weltweit unter die drei größten Anbieter rezeptfreier Arzneimittel vorgestoßen. Die sich hieraus ergebenden Abschreibungen drücken allerdings die Marge.

Bayer hofft insbesondere auf den Erfolg zweier neuer Wirkstoffgruppen, die ab 2006 auf den Markt kommen sollen: "Raf-Kinase" gegen verschiedene Tumore und "Faktor X a" gegen Herz-Kreislauf-Probleme. Bei diesem Mittel kommt es allerdings zu Verzögerungen bei den klinischen Tests der dritten Phase.

Insgesamt legten die laufenden Erträge vor Steuern und Zinsen um 53 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro zu. Als Konzernjahresergebnis steht für 2004 ein Überschuss von 603 Mill. Euro zu Buche, nach dem abschreibungsbedingten Fehlbetrag von 1,4 Mrd. Euro ein Jahr zuvor. Wenning schlug eine um zehn Prozent auf 55 Cent je Aktie erhöhte Dividende vor: "Die Ausschüttung von 83 Prozent unseres Gewinns zeigt, dass wir Vertrauen in die Ertragskraft des Unternehmens haben."

"Der Konzern ist in die Gewinnzone zurückgekehrt, da einerseits die Restrukturierungskosten weggefallen sind und andererseits Kostensenkungen erreicht wurden", sagte Chemieanalystin Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland Pfalz.

Überrascht zeigten sich die Analysten eher von den Zielen Wennings für 2005, die als sehr ehrgeizig und erklärungsbedürftig interpretiert werden. Der Vorstandschef kündigte einen Umsatzzuwachs von fünf Prozent auf 25 Milliarden Euro an. Die betrieblichen Erträge sollen im laufenden Jahr um ein Fünftel steigen. Insgesamt peilt Bayer für 2006 eine Bruttomarge von 19 Prozent an - im vergangenen Jahr wurden 13,9 Prozent erreicht.

Analysten bezeichneten das in Aussicht gestellte 20-prozentige Ergebniswachstum als ambitioniert. "Wir rechnen mit elf Prozent und brauchen eine Erklärung, auf welche Weise das Management dieses Wachstum erreichen will", kommentierte die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein. Die Bayer-Aktie gab gestern Nachmittag um über zwei Prozent nach und war damit Tagesverlierer im Dax-30.

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