Chemiebranche
BASF schürt Hoffnung auf Chemie-Erholung

Mit einem unerwartet guten Gewinn für das dritte Quartal hat BASF am Mittwoch den Optimismus unter den Chemie-Investoren angeheizt. Der Branchenführer verkündete überraschend, sein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen habe in den vergangenen drei Monaten rund 1,25 Mrd. Euro erreicht und sei damit gut ein Drittel besser ausgefallen als von Analysten erwartet.

FRANKFURT. Gegenüber dem zweiten Quartal entspricht das einem Anstieg um rund ein Zehntel, im Jahresvergleich ist es noch ein Rückgang um rund 20 Prozent. Der Umsatz lag nach BASF-Angaben ebenfalls um rund ein Fünftel unter dem Vorjahresniveau, wuchs gegenüber dem vorangegangenen Quartal aber um gut zwei Prozent. Detaillierte Zahlen will der Chemiekonzern erst am 29. Oktober publizieren.

Branchenbeobachter werteten die für BASF sehr ungewöhnliche Vorabmeldung am Mittwoch als Signal für eine weitere Besserung in der gesamten Chemiebranche. Neben der BASF-Aktie, die zeitweise um mehr als sieben Prozent zulegte , verbuchten auch andere Chemiewerte wie Lanxess, Wacker oder die US-Konzerne Dow und Dupont deutliche Kursgewinne.

Im Prinzip gilt der positive Trend in der Chemie nicht mehr als überraschend. Mehrere Branchenvertreter wiesen jüngst darauf hin, dass sich das Geschäft nach und nach wieder bessere, eine Rückkehr auf das Ertragsniveau vor der Krise aber voraussichtlich mehrere Jahre erfordern werde.

Zudem herrscht in der Branche weiterhin relativ große Unsicherheit darüber, ob und in welchem Umfange die Nachfragebelebung der vergangenen Monate auf Lagereffekte beruht. Besonders mit Blick auf das überraschend starke Wachstum der chinesischen Chemienachfrage vermuteten Branchenkenner in den vergangenen Monaten mehrfach, dass diese teilweise auf Lageraufbau und Spekulationseffekten beruhen könnte.

„Die BASF-Meldung ist vor diesem Hintergrund sicherlich ein positives Zeichen, darf aber auch nicht überinterpretiert werden“, erläuterte am Mittwoch Kreditanalyst und Chemieexperte Jochen Schlachter von Unicredit.

BASF selbst schlägt in dieser Hinsicht ebenfalls weiterhin vorsichtige Töne an. „Auch wenn sich die Stimmung leicht aufhellt und wir das Rezessionstal verlassen, bleibt die Erholung langsam und fragil“, wird Konzernchef Jürgen Hambrecht in der Mitteilung des Unternehmens zitiert. Hambrecht gehörte seit Herbst 2008 zu jenen Branchenvertretern, die sich besonders skeptisch zur Chemiekonjunktur äußerten, und hat wiederholt vor verfrühten Hoffnungen gewarnt. Die überraschend guten operativen Zahlen wertet er jetzt als Beleg dafür, dass die frühzeitige Anpassung der Kapazitäten und Kostensenkungsmaßnahmen Wirkung zeigen.

In Reaktion auf den drastischen Konjunktureinbruch hatte der Konzern gegen Ende des vergangenen Jahres weltweit mehr als 80 Anlagen vorübergehend abgeschaltet und mehrere Tausend Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Die meisten dieser Anlagen wurden inzwischen wieder in Betrieb genommen, wenn auch mit niedriger Auslastung. Die Kurzarbeit hat das Unternehmen ausgesetzt.

Ähnlich wie bei anderen Chemiefirmen kommen auch bei BASF die stärksten Impulse für das Geschäft derzeit aus Asien – besonders aus China – und Südamerika. Unter anderem dürfte davon das Geschäft mit Kunststoffen und Zwischenprodukten profitiert haben. Der Öl+Gas-Sparte, die im ersten Halbjahr mehr als die Hälfte des operativen Gewinns lieferte, dürfte der Anstieg der Ölpreise zugute gekommen sein.

Für die gesamten ersten neun Monate errechnet sich aus den jüngsten Daten ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen von rund 3,4 Mrd. Euro. Das entspricht einem Rückgang von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Nicht enthalten in den bereinigten Ertragszahlen sind diverse „Sonderfaktoren“, vor allem für Restrukturierungen und Integration des übernommenen Chemiekonzerns Ciba. Der Aufwand dafür fällt, wie BASF andeutet, im dritten Quartal offenbar höher aus als bisher erwartet. Denn die Integration der Ciba-Aktivitäten komme schneller voran als geplant. Im Zuge der Eingliederung des Schweizer Spezialchemieherstellers will BASF rund 3 700 Arbeitsplätze abbauen. Weitere rund 2 000 Stellen will der Konzern im Zuge anderer Strukturprogramme überwiegend im Ausland streichen.

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