Chemiebranche
BASF tritt auf die Euphoriebremse

Das Schlimmste sei überstanden, ließ BASF-Chef Hambrecht bei der offiziellen Verkündung der Quartalszahlen heute verlauten. Für das Jahr 2009 rechnet der BASF dennoch mit deutlich weniger Umsatz und Gewinn. Es werde zwar eine Erholung geben, allerdings in langsamen Schritten.
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HB LUDWIGSHAFEN. Der Vorstand des Chemiekonzerns BASF rechnet nicht mit einem raschen Aufschwung. „Nach einer rasanten Abwärtsfahrt steigen wir jetzt mühsam aus dem Rezessionstal“, teilte Vorstandschef Jürgen Hambrecht am Donnerstag in Ludwigshafen mit. Die Erholung werde „langsam und unstetig“ verlaufen, sagte er voraus. Die Geschäfte des weltgrößten Chemiekonzerns haben sich in den Monaten Juli bis September den Angaben zufolge stabilisiert - allerdings auf niedrigem Niveau.

Die BASF geht für das Gesamtjahr weiterhin von einem starken Rückgang bei Umsatz und Ergebnis aus. Im dritten Quartal blieb unter dem Strich ein Gewinn von 237 Mio. Euro, nach 758 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um 18,9 Prozent auf 12,8 Mrd. Euro zurück. Deutliche Rückgänge gab es in fast allen Geschäftsbereichen.

Vor rund zwei Wochen hatte BASF mit den vorläufigen Quartalszahlen für Euphorie gesorgt. Der Branchenführer verkündete überraschend, sein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen habe in den vergangenen drei Monaten rund 1,25 Mrd. Euro erreicht und sei damit gut ein Drittel besser ausgefallen als von Analysten erwartet.

Gegenüber dem zweiten Quartal entspricht das einem Anstieg um rund ein Zehntel, im Jahresvergleich ist es noch ein Rückgang um rund 20 Prozent. Der Umsatz lag nach BASF-Angaben ebenfalls um rund ein Fünftel unter dem Vorjahresniveau, wuchs gegenüber dem vorangegangenen Quartal aber um gut zwei Prozent. Detaillierte Zahlen will der Chemiekonzern erst am 29. Oktober publizieren.

Branchenbeobachter werteten die für BASF sehr ungewöhnliche Vorabmeldung am Mittwoch als Signal für eine weitere Besserung in der gesamten Chemiebranche. Neben der BASF-Aktie, die zeitweise um mehr als sieben Prozent zulegte , verbuchten auch andere Chemiewerte wie Lanxess, Wacker oder die US-Konzerne Dow und Dupont deutliche Kursgewinne.

Im Prinzip gilt der positive Trend in der Chemie nicht mehr als überraschend. Mehrere Branchenvertreter wiesen jüngst darauf hin, dass sich das Geschäft nach und nach wieder bessere, eine Rückkehr auf das Ertragsniveau vor der Krise aber voraussichtlich mehrere Jahre erfordern werde.

Zudem herrscht in der Branche weiterhin relativ große Unsicherheit darüber, ob und in welchem Umfange die Nachfragebelebung der vergangenen Monate auf Lagereffekte beruht. Besonders mit Blick auf das überraschend starke Wachstum der chinesischen Chemienachfrage vermuteten Branchenkenner in den vergangenen Monaten mehrfach, dass diese teilweise auf Lageraufbau und Spekulationseffekten beruhen könnte.

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