Chemiebranche
BASF und Bayer reden offen über Kurzarbeit

Die beiden Chemieschwergewichte BASF und Bayer bereiten ihre Mitarbeiter auf Kurzarbeit vor. Nachdem die Unternehmen bislang die Möglichkeiten, die der Tarifvertrag mit seinen flexiblenArbeitszeitmodellen bietet, ausgeschöpft haben, schließen sie nun zusätzliche Personalmaßnahmen im Produktionsbereich nicht mehr aus, weil eine bessere wirtschaftliche Lage nicht absehbar ist.

FRANKFURT. „Die Auslastung vieler Anlagen ist seit Jahresbeginn auf sehr niedrigem Niveau geblieben, und wir sehen in absehbarer Zeit in wichtigen Kundenbranchen auch keine nachhaltige Verbesserung unserer Auftragslage“, sagt Harald Schwager, Personalvorstand von BASF und Standortleiter Ludwigshafen. Voraussichtlich im Mai will BASF darüber informieren, bei wie vielen Betrieben und Mitarbeitern konkret Kurzarbeit notwendig wird. Schwagers erste Einschätzung: „Wir gehen davon aus, dass zwischen 2 000 und 3 000 der rund 32 800 Mitarbeiter am Standort Ludwigshafen kurzarbeiten werden.“

Für die Mitarbeiter bedeutet das aufgrund von Kurzarbeitergeld und einem Zuschuss des Unternehmens nach dem Manteltarifvertrag der chemischen Industrie ein Nettoarbeitsentgelt von rund 90 Prozent.

Auch beim Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer werden die Mitarbeiter auf Kurzarbeit vorbereitet. Davon wäre vor allem der Kunststoff-Teilkonzern Material Science (BMS) betroffen. „Wenn die Krise in diesem Ausmaß anhält, können wir bei BMS Kurzarbeit nicht ausschließen“, sagte Bayer-Personalvorstand Richard Pott. Die Maßnahmen würden „grundsätzlich Mitarbeiter an den deutschen Standorten Leverkusen, Dormagen, Krefeld und Brunsbüttel treffen.“ Über weitere Sparmaßnahmen soll in diesen Tagen mit den Mitarbeitervertretern gesprochen werden. Die beiden Bayer-Sparten Pharma und Pflanzenschutz sind bislang von Arbeitszeitkürzungen noch nicht betroffen.

Bayer BMS konnte sich bislang mit einer Senkung der Wochenarbeitszeit und der Löhne um 6,7 Prozent behelfen. Diese Maßnahmen gelten seit Februar für die 5 500 BMS-Mitarbeiter. Der Tarifvertrag erlaubt zunächst eine weitere Senkung der Löhne um zehn Prozent, bevor dann tatsächlich Kurzarbeit angemeldet werden muss.

Betriebsbedingte Kündigungen wollen sowohl BASF als auch Bayer vermeiden. So will Bayer so schnell wie möglich über eine Verlängerung des Ende 2009 auslaufenden Standortsicherungsvertrags verhandeln. „Wenn wir uns mit den Betriebsräten auf eine Vereinbarung verständigen sollten, wird diese für unsere drei Teilkonzerne und für beide Servicegesellschaften gelten“, sagte Pott. Das soll den Personalaustausch im Konzern erleichtern. Nur so ließen sich Kündigungen vermeiden. Der flexible Einsatz von Mitarbeitern habe auch bei BASF zur Vermeidung von Kurzarbeit geführt, erklärt Schwager: „Derzeit arbeiten in Ludwigshafen rund 600 Mitarbeiter vorübergehend in anderen Betrieben. Aber jetzt stoßen wir leider an die Grenzen des Machbaren.“ Daher prüfe BASF „vorsorglich weitere Maßnahmen“, falls sich auch in der zweiten Jahreshälfte keine Verbesserung der Situation abzeichnen sollte. Konkret: „Dazu gehört zum Beispiel die Ausweitung der Kurzarbeit über den Produktionsbereich hinaus.“

Ein Lob hat auch der BASF-Betriebsratsvorsitzende Robert Oswald parat: „Ohne die Bereitschaft zu hoher Flexibilität wären schon seit Monaten viele Aniliner in Kurzarbeit.“

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