Chemiebranche
Bayer punktet mit Daten für Thrombosemittel

Der Konzern Bayer hat abermals gute Daten für sein neues Thrombose-Medikament Xarelto präsentiert - und damit seine Ambitionen in diesem Bereich des Pharmageschäfts untermauert. Die Neuentwicklung des Pharmaherstellers könnte Sanofi Marktanteile abjagen.

FRANKFURT. Der Konzern Bayer hat abermals gute Daten für sein neues Thrombose-Medikament Xarelto präsentiert - und damit seine Ambitionen in diesem Bereich des Pharmageschäfts untermauert. Der Wirkstoff, der Anfang Oktober seine erste Zulassung in Europa erhalten hat, ist der wichtigste Hoffnungsträger für die Bayer-Pharmasparte in den nächsten Jahren und könnte nach Einschätzung mancher Analysten im günstigen Fall Spitzenumsätze von mehreren Milliarden Euro erzielen. Haupt-Leidtragender eines Bayer-Erfolgs wäre vermutlich der französische Konkurrent Sanofi-Aventis mit seinem Thrombosemedikament Lovenox (mit 3,6 Mrd. Dollar Umsatz im Jahr 2007) und dem Blutverdünner Plavix (7,7 Mrd. Dollar).

Die jüngsten Daten von Bayer basieren auf einer übergreifenden Auswertung von vier klinischen Studien mit Xarelto bei Knie- und Hüftgelenk-Operationen. In diesen Studien hat Xarelto nach Angaben von Bayer das Thromboserisiko um mehr als 50 Prozent gegenüber der derzeitigen Standardtherapie mit Lovenox (Enoxaparin) gesenkt. Das gibt dem neuen Wirkstoff aus Sicht vieler Analysten gute Chancen, sich in dieser Anwendung gegenüber etablierten Präparaten durchzusetzen. Zugleich stärken die Daten das Bayer-Produkt im Konkurrenzkampf mit einer weiteren Neuentwicklung zur Thrombose-Prophylaxe, dem Boehringer-Medikament Pradaxa, das bereits seit März in Europa vermarktet wird und auf einem ähnlichen Wirkmechanismus basiert.

Bei beiden Produkten handelt es sich um sogenannte orale Gerinnungshemmer. Als ihr entscheidender Vorteil gilt, dass sie als Tablette eingenommen werden können und wesentlich sicherer zu dosieren sind als die etablierten Wirkstoffe wie Enoxaparin oder so genannte Vitamin-K-Antagonisten.

Noch völlig offen ist der Wettkampf der beiden Wirkstoffe in einem weiteren Einsatzbereich der Vorbeugung gegen Schlaganfälle bei Patienten mit bestimmten Herzrhytmus-Störungen. Diese chronische Anwendung bietet ein weitaus größeres Marktpotenzial als der Einsatz bei Operationen. Er erfordert damit aber auch umfangreichere Studien, die derzeit noch laufen. Auch hier hat Boehringer einen gewissen zeitlichen Vorsprung. Ob und in welchem Umfang die neuen Mittel hier etablierte Medikamente wie Plavix verdrängen können, werden am Ende vor allem wohl die Daten über Nebenwirkungen entscheiden.

Das gilt auch für eine Reihe weiterer Konkurrenz-Produkte die sich ebenfalls in der klinischen Entwicklung befinden, zeitlich aber deutlich hinter den beiden deutschen Neuentwicklungen zurückliegen. Der US-Konzern Bristol-Myers und sein Partner Pfizer mussten zudem vor wenigen Monaten die Pläne für einen Zulassungsantrag zurückstellen, nachdem ihr Wirkstoff Apixaban in einer wichtigen Studie keine guten Daten lieferte.

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