Chemiebranche
Chemieflaute beutelt die ganze Branche

Die Flaute der Chemiebranche nimmt zusehends bedrohliche Züge an. Starke Absatzeinbußen erfassen inzwischen auch die Spezialhersteller. Preise und Margen bei Basischemikalien gehen ebenso zurück wie die Absatzmengen auch höher veredelter Chemieprodukte.

FRANKFURT. Die Flaute der Chemiebranche nimmt zusehends bedrohliche Züge an. Anders als in früheren Abschwungphasen erfasst sie inzwischen auch die vermeintlich stabilere "Spezialchemie".

Einen Vorgeschmack auf die schwierige Situation gaben in den vergangenen beiden Wochen bereits die Zahlen etlicher US-Chemiefirmen sowie die schwachen Quartalsdaten von Altana und Ciba. Abgesehen von einigen Agrochemie-Produzenten und Pharmavorlieferanten dürften die meisten anderen europäischen Chemiefirmen ebenfalls mit herben Ertragseinbußen im vierten Quartal und einem tristen Ausblick aufwarten. "Die Margen der Spezialchemiefirmen werden zwar etwas besser ausfallen als in der Petrochemie. Aber dem allgemeinen Trend zu entfliehen, ist derzeit fast unmöglich," sagt Jochen Schlachter, Kreditanalyst und Chemieexperte bei Unicredit.

Hintergrund ist der völlig ungewöhnliche Charakter der aktuellen Chemieflaute. Denn erstmals seit Jahrzehnten wird die Branche von einem globalen Einbruch in gleich drei maßgeblichen Abnehmerbranchen, der Bau-, Automobil- und Elektronikindustrie, getroffen. Das führte nicht nur zu dem üblichen Preis- und Margenverfall bei Basischemikalien. Darüber hinaus erlebt die Branche einen bislang beispiellosen Rückgang der Absatzmengen, auch bei vielen höher veredelten Chemieprodukten. Das heißt auch Chemiespezialitäten, bei denen der Preiswettbewerb nicht im Vordergrund steht, geraten in den Abwärtssog. Die vergleichsweise stabilen Margen dieser Produktgruppen schützen die Hersteller nicht mehr vor herben Ertragseinbußen.

Während frühere Schwächephase der Branche durch Absatzrückgänge von maximal vier Prozent geprägt waren, verbuchten viele Chemiehersteller im vierten Quartal 2008 deutlich zweistellige Einbußen bei den verkauften Mengen. US-Konzerne wie Dupont, Eastman oder Celanese zum Beispiel meldeten für die Monate September bis Dezember Absatzrückgänge von 20 Prozent oder mehr. Der Spezialchemiehersteller Rohm & Haas, um den Mitte des vergangenen Jahres Dow Chemical und BASF noch in einem Bieterwettbewerb rangelten, verbuchte Erlös-Rückgänge zwischen 12 Prozent bei Farbzusätzen und 30 Prozent bei bestimmten Elektronik-Chemikalien.

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