Chemiebranche
Deutsche Hersteller reagieren mit flexiblen Lösungen

Während die Chemiebranche weltweit entlässt, halten sich die deutschen Hersteller noch mit Kündigungen zurück. Sie wollen nach der Krise mit qualifiziertem Personalstamm durchstarten. Wielange sich die Strategie von Kurzarbeit und Lohnkürzung halten lässt, hängt von der Konjunkturentwicklung ab.

FRANKFURT. Ungeschoren kommt auch die Chemieindustrie Deutschlands nicht durch die Krise. BASF, Wacker Chemie und Evonik haben bereits Kurzarbeit angemeldet. Die beiden Leverkusener Chemiegrößen Bayer und Lanxess versuchen es mit einer etwas abgemilderten Form, der verkürzten Arbeitszeit bei entsprechender Lohnkürzung. Das ist im Rahmen der geltenden Tarifverträge – Stichwort: Öffnungsklausel – möglich.

Die großen Chemiekonzerne im Ausland regieren dagegen gleich mit Entlassungen. Dupont und Dow Chemical haben die Streichung von 2 500 bzw. 6 000 Stellen angekündigt, Rohm & Haas will 900 Mitarbeiter loswerden, Huntsman kappt über 1 500 Stellen. Allein im Dezember 2008 haben in den USA rund 20 000 Chemiewerker ihren Job verloren. Bei Clariant fallen 1 000 Stellen weg, nachdem die letzte Restrukturierungswelle bei den Schweizern bereits zum Abbau von 2 200 Stellen geführt hat. Die niederländische Akzo Nobel will über 3 500 Stellen streichen, auch im Zusammenhang mit der Übernahme von ICI. Celanese und Huntsman wollen Werke schließen; Lyondell-Basell hat sich unter den Schutz des Insolvenzparaphen Chapter 11 geflüchtet.

Die deutsche Chemieindustrie hat dagegen – bislang – auf die Ankündigung von Entlassungen verzichtet. Mit flexiblen Modellen versucht die Branche hierzulande, durch die Krise zu kommen. Sie will auf diese Weise in wieder besseren Zeiten schnell durchstarten können. Das geht letztlich nur mit ebenso qualifizierten wie motivierten Mitarbeitern.

Ebenso machen zumindest die großen Konzerne keine Abstriche an ihren ambitionierten F+E-Programmen. BASF will aus der Krise gestärkt hervorgehen. „Das geht nur mit erfolgreichen Produkten“, sagte Vorstandsmitglied Andreas Kreimeyer. Kurzfristig könne BASF bei Forschung und Entwicklung nur durch Entlassungen sparen, da dort 80 Prozent der Kosten Personalkosten seien. Doch gerade diese hochqualifizierten Beschäftigen wolle und müsse BASF unbedingt halten.

In der letzten Chemieflaute in den Neunzigerjahren hat man viel gelernt. So fehlten plötzlich bei wieder besserer Auftragslage geeignete Mitarbeiter. Nach den kostspieligen Entlassungsmaßnahmen war es mitunter ebenso teuer, wieder neues qualifiziertes Personal zu gewinnen. Wie ohnehin die hiesigen Unternehmen selbst in den letzten guten Chemiejahren nicht übermütig geworden sind und weiterhin ein striktes Kostenmanagement betrieben haben.

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