Chemiebranche
Evonik zieht sich ins Kerngeschäft zurück

Der Essener Mischkonzern Evonik bereitet den Teilrückzug aus dem Energie- und Immobiliengeschäft vor. Damit will Konzernchef Klaus Engel Handlungsspielraum für die Stärkung der Chemiesparte gewinnen. Expansion und Gewinnsteigerung in der künftigen Kernsparte bleiben jedoch schwierig.
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FRANKFURT. Die Weiterentwicklung dieses künftigen Kerngeschäfts von Evonik dürfte vor allem auch in der neuen Konstellation eine schwierige Aufgabe bleiben, wenn man das ehrgeizige Ziel der beiden Eigner RAG-Stiftung und CVC im Auge behält. Die Anteilseigner haben sich zum Ziel gesetzt, den Wert des Konzerns zu verdoppeln und so einen Börsengang zu ermöglichen. Doch um dies zu erreichen, müsste Evonik Experten zufolge einen zusätzlichen Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) von schätzungsweise mehr als einer Mrd. Euro im Vergleich zu 2008 erzielen. Damals betrug der Wert 2,2 Mrd. Euro.

Doch dazu hat Evonik angesichts der Konjunkturlage kaum Möglichkeiten. Die Kostensenkung von mehr als 300 Mio. Euro wird in diesem Jahr zwar reichen, um die Margen zu halten - was nur wenigen Chemiefirmen gelingt. Doch das absolute Ertragsniveau wird nicht wieder erreichbar sein. Für deutlich höhere Gewinne wird der Konzern eine kräftigere Erholung der Konjunktur, Wachstum und zusätzliche Sparprogramme benötigen.

Evonik verfügt über eine solide Ausgangsbasis in der Chemie. Die Umsatzrendite von zuletzt rund 14 Prozent bezogen auf den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kann sich sowohl im Vergleich zu heimischen Konkurrenten wie BASF, Bayer Material Science oder Lanxess als auch im internationalen Umfeld sehen lassen.

Das breitgefächerte Portfolio umfasst zahlreiche Spezialprodukte, bei denen der Konzern führende Positionen hält. Dazu gehören etwa bestimmte Vorprodukte für die Lack- und Klebstoffindustrie, Folien für Lithium-Ionen-Batterien, Spezialtenside, Plexiglas oder auch das derzeit besonders ertragreiche Geschäft mit Aminosäuren wie Methionin für die Futtermittelindustrie.

Daneben gibt es aber auch Schwachstellen. Dazu dürfte etwa das Geschäft mit Industrieruß oder Papierchemikalien gehören. Es liegt daher auf der Hand, dass die am Montag vom Aufsichtsrat verabschiedete neue Strategie auch den Abschied von diversen kleineren Chemiesparten mit zusammen etwa einer Mrd. Euro Umsatz vorsieht.

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