Chemiebranche
Kunststoffpreise klettern auf Rekordniveau

Kräftig steigende Preise und eine starke Konjunkturerholung sorgen derzeit für hohe Erträge in der Chemiebranche. Der "Plastiknotstand" setzt dagegen die Unternehmen, die Kunststoff verarbeiten, massiv unter Druck.
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FrankfurtGerade einmal zwei Jahre liegt die große Absatzkrise zurück. Damals, im Spätherbst 2008, wussten viele Kunststoffproduzenten nicht, wie sie ihre Anlagen schnell genug herunterfahren sollen.

Inzwischen hat sich die Situation um 180 Grad gedreht. Die Chemie- und Kunststoffbranche sieht sich mit einem Boom konfrontiert, der die Kapazitäten überfordert. Statt mit überschüssigem Material kämpft die Branche mit Engpässen. Die Preise für viele Kunststoffe legen massiv zu und haben laut Fachmagazin „Kunststoff Information“ (KI) das bisherige Rekordniveau vom Sommer 2008 – als der Ölpreis bei über 140 Dollar je Barrel lag – überschritten.

Doch was der Chemiebranche Rekorderträge beschert, bringt viele Weiterverarbeiter in Bedrängnis. Mitten im Boom geraten die meist mittelständischen Hersteller von Kunststoffbauteilen und Verpackungen in eine bedrohliche Zangenbewegung – zwischen steigenden Rohstoffkosten und Preisdruck von Seiten ihrer großen Abnehmer aus der Automobil- und Konsumgüterindustrie.

„Ich bin seit mehr als 20 Jahren im Polymerbereich tätig, aber so etwas habe ich bisher noch nicht erlebt“, berichtet der Einkaufschef eines großen rheinland-pfälzischen Automobilzulieferers. Trotz einer sehr positiven Umsatzentwicklung, warnt der Gesamtverband der Kunststoffverarbeitenden Industrie (GKV) vor „einem drastischen Einbruch bei den Margen“.

Engpässe, lange Lieferzeiten und starker Preisauftrieb prägen derzeit weite Teile des Plastikmarkts. Neben technischen Kunststoffen sind auch diverse Standardprodukte wie Polyethylen, Polypropylen und Polyamid betroffen. Zu den wenigen Ausnahmen gehören Kunststoffe wie PVC, die vorwiegend in der Bauindustrie eingesetzt werden.

Das größte Problem sehen Experten aus den Reihen der Plastikverarbeiter in den Preissprüngen, die nicht oder nur teilweise in den Markt weitergereicht werden können. Dabei spielt eine Rolle, dass Kunststofflieferanten inzwischen auf monatliche Preisvereinbarungen umgestellt haben, während die Preisgleitklauseln der Verarbeiter nach wie vor quartalsweise Anpassungen vorsehen. Zudem verhindert auch die Marktmacht der Abnehmer ein Weiterreichen der Preissteigerungen.

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