Chemiebranche
Lanxess hofft trotz Krise auf Russland

Die deutsche Chemiekonjunktur ist eingebrochen - darum will der Spezialchemiekonzern Lanxess nun vor allem im Ausland wachsen. Mit einem neuen Büro in Moskau wollen die Leverkusener ihren Anteil am russischen Markt ausbauen. Russland gilt derzeit als El Dorado für deutsche Chemieanlagenbauer.

MOSKAU. Der Spezialchemiekonzern Lanxess setzt trotz sich eintrübender Marktaussichten auf Russland: Gestern eröffnete das Unternehmen aus Leverkusen eine neue Vertriebsgesellschaft in Moskau. Vorstandschef Axel Heitmann sieht vor allem in den sogenannten BRIC-Ländern Brasilien, Russland, Indien und China Wachstumsperspektiven.

Noch steht das Unternehmen das wegen des Einbruchs in der Chemiekonjunktur in einigen Bereichen in Deutschland Kurzarbeit eingeführt hat, im größten Flächenland der Welt am Anfang. 2007 setzte der Konzern in Russland 40 Mio. Euro um – weltweit waren es rund 6,6 Mrd. Euro. Insgesamt macht Lanxess in den BRIC-Staaten 15 Prozent seines Umsatzes.

Nun steht die Expansion in Russland an. Ein Tochterunternehmen plant den Bau einer Produktionsanlage in Nischni Nowgorod; sie soll bereits im kommenden Jahr in Betrieb gehen. Dort werden vor allem Mittel für die Reifenproduktion hergestellt. Lanxess wurde 2004 aus dem Bayer-Konzern ausgegründet, an die Börse gebracht und gehört heute zu den größten Chemiekonzernen in Deutschland.

Der russische Chemiemarkt hat in den vergangenen Jahren einen starken Boom erlebt, von dem auch deutsche Unternehmen profitieren konnten. BASF und Henkel produzieren im Land. Grundsätzlich ist der Bedarf an modernen Kapazitäten gewaltig. So muss Russland rund ein Drittel seines Bedarfs an Polyethylen, aus dem zum Beispiel Plastikflaschen, Jogurtbecher und Folien produziert werden, aus dem Ausland einführen.

In den vergangenen Jahren war das Land vor allem ein El Dorado für deutsche Chemieanlagenbauer, heißt es bei Germany Trade & Invest in Moskau. Im vergangenen Jahr wuchsen die Bruttoanlageinvestitionen im Chemiesektor um rund ein Drittel auf rund 5,9 Mrd. Dollar. Branchenexperten rechnen damit, dass auch 2009 der Markt weiter wächst – allerdings haben sich die Aussichten deutlich eingetrübt. Das merken auch die deutschen Anlagebauer, denen die Aufträge aus der Branche wegbrechen. Vor allem die größten Wachstumstreiber – Bauindustrie und Automobil – verzeichnen in Russland starke Rückgänge. Lanxess-Chef Heitmann erwartet zwar, dass sich Russland schneller erholen wird, als andere Märkte, doch „es ist nicht möglich heute konkrete Prognosen zu machen“. Größere Investitionsvorhaben dürften 2009 und 2010 auf Eis liegen bleiben.

Doch es sind nicht nur deutsche Firmen, die Interesse an der russischen Chemiewirtschaft zeigen – es geht auch umgekehrt, wie das Engagement des russischen Düngemittelherstellers Eurochim am deutschen K+S-Konzern zeigt. Die Russen haben ihren seinen Anteil inzwischen auf 15 Prozent aufgestockt. Die Kooperation mit K&S ist für sie vor allem wegen der Vertriebsstrukturen interessant. Die russischen Düngemittelhersteller, die nur ein Viertel ihrer Produktion in der Heimat absetzen, leiden unter staatlichen Exportzöllen – die Regierung will sie zwingen, ihre Produkte zu günstigeren Preisen im Inland anzubieten.

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