Chemiebranche
Sabic interessiert sich für Bayers Kunststoffsparte

Seit Jahren spielen Branchenanalysten immer wieder das Szenario durch, dass der Leverkusener Konzern sich einmal von dem Geschäft trennen könnte. Nun gibt es einen ernsthaften Interessenten: den saudischen Chemieriesen Sabic.
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HB FRANKFURT. Der saudische Chemieriese Sabic hat Interesse am Kunststoffgeschäft von Bayer signalisiert. "Wenn Bayer auf uns zukäme, würden wir uns das sicherlich anschauen", sagte Sabic-Chef Mohamed Al-Mady der "Zeit". Aus kartellrechtlichen Gründen käme für die Saudi Basic Industries Corp (Sabic) aber nur der Polyurethan-Bereich in Frage. Die Kunststoffsparte Material Science ist einer von drei Teilkonzernen bei Bayer. Die Aktie lag am Mittag mit 0,13 Prozent leicht im Plus.

Bayer lehnte eine Stellungnahme zu den Äußerungen ab. Erst kürzlich hatte der neue Bayer-Chef Marijn Dekkers gesagt, dass der Konzern an den drei Konzernsäulen Gesundheit, Pflanzenschutz und Kunststoffe festhalten will. "Dies ist selbstverständlich keine Bestandsgarantie für die Ewigkeit. Aber eine fundamentale Änderung steht für mich nicht auf der Agenda", führte er aus.

Der Kunststoffbereich MaterialScience kam 2009 auf einen Umsatz von 7,52 Mrd. Euro. Allein mit Polyurethan-Kunststoffen setzte die Sparte 3,78 Mrd. Euro um.

Die 1976 gegründete Sabic ist die größte börsennotierte Firma am Golf. Der Petrochemie- und Kunststoffkonzern ist zudem die Chemiefirma mit dem weltweit höchsten Börsenwert. Der in Riad ansässige Konzern, der auch Düngemittel und Metalle herstellt, ist zu 70 Prozent im saudischen Staatsbesitz. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen umgerechnet 20 Mrd. Euro um. An der Börse hatte es in den vergangenen Jahren auch Spekulationen gegeben, der Konzern könne an BASF interessiert sein.

Experten zufolge sind deutsche Chemiefirmen für arabische Investoren aus mehreren Gründen interessant: Sie schaffen den Unternehmen Zugang zu westlichen Märkten, offerieren Forschungs- und Entwicklungs-Expertise und warten mit etablierten Produkten und Marken auf. Mit einem stärkeren Kundenzugang im Westen wären arabische Konzerne dann in der Lage, ihre Rohstoffvorteile auszuspielen und etablierten Branchengrößen noch stärker Konkurrenz zu machen.

Sabic ist seit einigen Jahren dabei, seine vormalige Aufstellung als reiner Rohstofflieferant aufzubrechen und in den westlichen Märkten Fuß zu fassen. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war 2007 die rund zwölf Mrd. Dollar teure Übernahme der Kunststoffsparte GE Plastics vom US-Mischkonzern General Electric.

Sein Europageschäft hatte Sabic 2002 mit der Übernahme der Petrochemiegeschäfte der niederländischen Chemiegruppe DSM aufgebaut. Es war die erste große Akquisition des Konzerns außerhalb des Nahen Ostens. 2006 hatte Sabic dann sein Europageschäft mit der Übernahme der europäischen Basis-Chemie- und Polymeraktivitäten des US-Konzerns Huntsman erheblich ausgebaut.

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