Chemiefusion
Akzo Nobel stößt beim Wunschpartner ICI auf Ablehnung

Der niederländische Chemiekonzern Akzo Nobel will seinen Konkurrenten Imperial Chemical Industries ICI übernehmen. Jetzt muss er selbst zugeben, mit seinem Angebot zunächst gescheitert zu sein.

HB AMSTERDAM. Akzo Nobel teilte am Montag mit, das Management des britischen Konkurrenten habe die Offerte zurückgewiesen. ICI bemängelte, das Angebot von 600 Pence je ICI-Aktie sei deutlich zu niedrig. Das Unternehmen würde damit mit 7,2 Milliarden Pfund (10,6 Mrd Euro) bewertet. Auf Basis des Schlusskurses vom Freitag ist ICI aber 9,5 Milliarden Euro wert.

Der größte britische Chemiekonzern gilt nach Kostensenkungen und dem Verkauf von Firmenteilen seit längerem als Übernahmekandidat. Das Übernahmeangebot von Akzo für ICI wurde in der Chemiebranche erwartet, seit die Niederländer im März ihre Pharmasparte Organon kurz vor einem geplanten Börsengang für elf Mrd. Euro an den US-Pharmariesen Schering-Plough verkauft haben. ICI würde mit seiner Farben-Marke Dulux und den anderen Spezialchemie-Aktivitäten gut zu Akzo passen. Zusammen hätten die Unternehmen eine Größe, mit der sie bei der wachsenden Konzentration der Branche langfristig besser bestehen könnten.

Akzo wird bei seinem Übernahmeversuch von der Investmentbank Morgan Stanley beraten. Die ICI-Aktie ist in den vergangenen zwölf Monaten auch wegen der hartnäckigen Übernahmespekulationen um mehr als die Hälfte auf zuletzt 549 Pence gestiegen. Damit ist das Unternehmen an der Börse 6,6 Mrd. Pfund wert.

ICI blickt auf eine wechselvolle 80-jährige Geschichte zurück und war einmal einer der bedeutendsten Industriekonzerne des Landes. Inzwischen steht das Unternehmen in der Chemiebranche nur noch in der zweiten Reihe, aber in den vergangenen Jahren hat sich es erholt und Bilanz und Portfolio bereinigt. Zuletzt verkaufte ICI die Duftstoffs- und die Kosmetiksparte. Mit den Milliardeneinnahmen drückte es das Pensionsdefizit auf unter eine Mrd. Pfund und verwandelte eine Nettoverschuldung von mehr als einer Milliarde in einen Überschuss von 250 Mill. Pfund.

Kostensenkungen verbesserten auch das operative Ergebnis: 2006 fuhr ICI bei einem Umsatz von 4,8 Mrd. Pfund einen Reingewinn von knapp 300 Mill. Pfund ein. Der Konzern besteht nun aus der Farbensparte ICI Paints mit der Marke Dulux und die Spezialchemietochter National Starch. Insbesondere die Farben, die mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmachen, locken Akzo. In Großbritannien drohen allerdings kartellrechtliche Probleme, denn hier ist auch Akzo mit der Marke Crown stark. Akzo müsste zudem mit Gegenbietern sowohl aus der Chemiebranche als auch aus dem Kreis der Finanzinvestoren rechnen.

Eine Hürde für jeden Bieter bleibt jedoch – wie bei vielen traditionsreichen britischen Firmen - die Pensionskasse. Die Zahlungsverpflichtungen aus den Betriebsrenten übersteigen mit mehr als neun Mrd. Pfund den Börsenwert deutlich. Die Verwalter der Pensionskassen haben darum bei Übernahmen ein gewichtiges Wort mitzureden. Sie werden auch bei ICI von einem Käufer weit reichende Garantien verlangen.

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