Chemieindustrie
Furcht vor Preisverfall

Die Chemiekonzerne konnten im laufenden Jahr den Gewinn- und Renditeverfall stoppen und die Kostenstrukturen verbessern. Somit hat sich die Branche im dritten Quartal besser geschlagen als erwartet. Doch jetzt wächst die Furcht vor neuem Druck auf Preise und Margen. Der Grund: Die Branche hat zu wenig Kapazitäten abgebaut.
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FRANKFURT. Folgt auf die Ausnahme-Flaute eine Art Routine-Abschwung? Diese Frage sorgt in diesen Tagen für Skepsis bei Managern und Beobachtern der europäischen Chemiebranche. Trotz aller Erholungstendenzen bleibt die Stimmung mit Blick auf 2010 daher gedämpft. Das Hauptrisiko aus Sicht der Pessimisten: Die nach wie vor schwache Auslastung der Kapazitäten könnte 2010 zu wachsendem Druck auf Preise und Margen führen und damit die jüngsten Sparerfolge ganz oder teilweise aufzehren.

Dem für die Branche völlig ungewohnten Einbruch der Absatzmengen würde damit eine Entwicklung folgen wie sie in der Vergangenheit stets typisch war für die "Zyklen" der Chemiebranche. Abschwungphasen waren vor allem durch Margenverfall geprägt, weniger durch Schwankungen der Produktions- und Verkaufsmengen. Demgegenüber mussten die Chemiehersteller bei der jüngsten Flaute mit massiven Absatzrückgängen von zum Teil mehr als 30 Prozent im Schlussquartal 2008 und im ersten Quartal 2009 fertig werden.

Alles in allem hat die Branche diesen Einbruch bisher besser gemeistert als noch zu Jahresbeginn erwartet - unter anderem mit Hilfe massiver Produktionskürzungen und Sparprogrammen. Gegenüber der schwachen Performance zum Jahresauftakt haben sich die Erträge im dritten Quartal nochmals verbessert. Im Vorjahresvergleich lagen die Umsätze bei den führenden Chemieunternehmen noch um rund 18 Prozent und die Betriebsgewinne um etwa 40 Prozent zurück. Rechnet man die Kosten für Strukturprogramme heraus, dürften die operativen Erträge im Schnitt nur noch um etwa ein Fünftel unter Vorjahresstand gelegen haben. Gemessen am Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag die Durchschnitts-Rendite der großen europäischen Chemiehersteller im dritten Quartal alleine sogar etwas über dem Vorjahresniveau. Für die gesamten ersten neun Monate konnte damit der Gewinn-und Renditeverfall deutlich abgemildert werden. Das spricht nach Einschätzung von Analysten dafür, dass die Unternehmen ihre Kostenstrukturen spürbar verbessert und die Break-Even-Punkte nach unten verschoben haben. Es dürfte ihnen leicht fallen im 4. Quartal die extrem schwachen Ertragswerte des Vorjahres zu übertreffen.

Dennoch mehren sich kritische Stimmen mit Blick auf 2010: "Wir gehen davon aus, dass die schwache Auslastung zu weiterem Druck auf die Preise führen wird", heißt es etwa in einer Studie der US-Bank JP Morgan. Sie verweist darauf, dass Umsatz- und Anlagenauslastung der Branche noch um neun bis zehn Prozent unter dem Durchschnitt der letzten Jahre liegen, während sich die Preise bisher noch um etwa sieben Prozent über dem Niveau der Jahre 2003 bis 2008 bewegen. Eine Rückkehr auf das frühere Absatzniveau ist erst im Laufe der nächsten drei bis vier Jahre in Sicht. Experten der Ratingagentur Moody?s bescheinigen der Branche nach wie vor einen negativen Ausblick. Eine Schwäche sehen sie dabei in der mangelnden Disziplin, das Problem der Überkapazitäten zu bereinigen.

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