
LeverkusenDie Euro-Schuldenkrise sorgt beim Chemiekonzern Lanxess für schärferen Gegenwind. Nach einem Anstieg des operativen Gewinns im zweiten Quartal rechnet das Leverkusener Unternehmen für das zweite Halbjahr nur noch mit einem operativen Ergebnis annähernd auf Vorjahresniveau von 485 Millionen Euro. "Die Verunsicherung gerade in der von der Schuldenkrise beeinflussten Eurozone wirkt sich negativ auf das Bestellverhalten aus", sagte Konzernchef Axel Heitmann am Dienstag in einer Telefonkonferenz.
Am Jahresziel hielt Heitmann gleichwohl fest: Wie bisher rechnet Lanxess 2012 mit einem fünf- bis zehnprozentigen Zuwachs des bereinigten operativen Gewinns. 2011 stand ein Ergebnis von 1,15 Milliarden Euro in den Büchern.
An der Börse kamen die Aussagen nicht gut an. Die Aktie büßte 3,6 Prozent auf 58,68 Euro ein und war damit stärkster Verlierer im Nebenwerteindex MDax. Allerdings hatte das Papier seit Jahresbeginn gut 50 Prozent zugelegt.
Aus der Geschäftsprognose für das laufende Jahr ergibt sich ein erwartetes Ergebniswachstum von rund sechs Prozent. Heitmann zufolge besteht hier aber noch Luft nach oben hin. Der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk, der unter anderem in Autoreifen und Dichtungen verwendet wird, rechnet in Asien und in Lateinamerika mit einem eher moderaten Wirtschaftswachstum, in den USA mit einer leichten Wachstumsabschwächung. Den Lanxess-Aktionären stellte Heitmann dennoch eine Erhöhung der Dividende in Aussicht, nachdem für 2011 85 Cent je Aktie gezahlt worden waren.

Die führenden Chemiekonzerne (im Bild eine BASF-Mitarbeiterin in Ludwigshafen) haben ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F+E) im Jahr 2011 um etwa sechs Prozent erhöht. Europaweit hat die Chemieindustrie laut dem Branchenverband Cefic rund 8,1 Milliarden Euro in die Forschung investiert. Die Rangliste der forschenden Chemieunternehmen beginnt mit einem Branchenriesen.
Platz 13 - Lyondell-Basell
Das weltweit drittgrößte Chemieunternehmen Lyondell-Basell (im Bild die Polymer-Produktion in Wesseling bei Köln) gab im Jahr 2011 wenig für die Forschung und Entwicklung aus. Das Unternehmen mit Sitz in Rotterdam (Niederlande) investierte in diesem Bereich nur 141 Millionen Euro. Gemessen am Umsatz von 36,663 Milliarden Euro war das ein verschwindend geringer Anteil von 0,4 Prozent. Lyondell-Basell entstand 2008 durch die Fusion der beiden Unternehmen Lyondell und Basell.

Platz 12 - Clariant
Die Schweizer Clariant gab 2011 143 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung aus. Gemessen am Umsatz von 5,982 Milliarden Euro waren das 2,4 Prozent. Der Spezialitätenchemie-Konzern mit Sitz in Muttenz ist weltweit aktiv und hat seit der Abspaltung aus der Sandoz AG (heute Novartis) 1995 einige Unternehmen zugekauft.

Platz 11 - Lanxess
Die Ausgliederung der Bayer AG kommt auf Rang elf der Forschungsrangliste. 144 Millionen Euro investierte Lanxess im vergangenen Jahr in Forschung und Entwicklung. Das waren 1,6 Prozent des Umsatzes von 8,775 Milliarden Euro. Das Leverkusener Unternehmen hat seinen Schwerpunkt bei Spezialchemikalien, Kunststoffen und Kautschuk.

Platz 10 - Solvay
Der multinationale Konzern mit dem Ursprung in Belgien (im Bild die Statur des Firmengründers Ernest Solvay vor der Zentrale in Brüssel) investierte 2011 156 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung. Das waren 1,9 Prozent des Umsatzes von 8,109 Milliarden Euro. Solvay stemmte im vergangenen Jahr die Milliarden-Übernahme des Konkurrenten Rhodia.

Platz 9 - Merck
Das Pharma- und Spezialchemieunternehmen Merck hat im vergangenen Jahr 269 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung gesteckt. Gemessen am Umsatz von 3,847 Milliarden Euro (nur Chemiegeschäft) war das ein hoher Anteil von 7,0 Prozent. Das Darmstädter Traditionsunternehmen landet auf dem neunten Platz der Rangliste.

Platz 8 - Akzo Nobel
356 Millionen Euro betrugen die Forschungs- und Entwicklungsausgaben bei Akzo Nobel (im Bild der langjährige Vorstandschef Hans Weijers) im vergangenen Jahr. Das waren 2,3 Prozent des Umsatzes von 15,697 Milliarden Euro. Das niederländische Unternehmen Akzo Nobel ist der weltgrößte Farbenhersteller.

Platz 7 - Evonik
Evonik mit Sitz in Essen kam 2011 auf Forschungs- und Entwicklungsausgaben von 365 Millionen Euro. Der Umsatz des Spezialchemie-Unternehmens betrug im vergangenen Jahr 14,128 Milliarden Euro (bezogen nur auf das Chemiegeschäft). Der Anteil der Forschungsausgaben war im Vergleich mit 2,6 Prozent dementsprechend gering.
Platz 6 - DSM
Das niederländische Unternehmen DSM kommt auf Platz sechs der Forschungs- und Entwicklungsrangliste. DSM gab 2011 381 Millionen Euro aus. Gemessen am Umsatz von 9,193 Milliarden Euro war das ein Anteil von 4,1 Prozent. DSM steht für „Dutch State Mines“ und wurde als Bergbauunternehmen gegründet. Heute stellt DSM vor allem Industriechemikalien, pharmazeutische und nutritionale Erzeugnisse her.

Platz 5 - Syngenta
Die Schweizer Syngenta ist eine der größten Agrarkonzerne der Welt (im Bild CEO Michael Mack). Im vergangenen Jahr investierte das Unternehmen aus Basel 810 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Das waren 8,5 Prozent des Umsatzes von 9,532 Milliarden Euro.
Die führenden Chemiekonzerne (im Bild eine BASF-Mitarbeiterin in Ludwigshafen) haben ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F+E) im Jahr 2011 um etwa sechs Prozent erhöht. Europaweit hat die Chemieindustrie laut dem Branchenverband Cefic rund 8,1 Milliarden Euro in die Forschung investiert. Die Rangliste der forschenden Chemieunternehmen beginnt mit einem Branchenriesen.
Im zweiten Quartal profitierte das Unternehmen von Preisanhebungen und einer kräftigen Nachfrage aus Asien und Nordamerika. Zudem bekam Lanxess Unterstützung durch einen schwächeren Euro. Das Unternehmen setzte zwar 4,7 Prozent weniger ab, konnte seine Preise aber um 4,2 Prozent anheben. An der Preisschraube will Heitmann auch künftig weiter drehen. "Höhere Rohstoffpreise wollen wir wie in der Vergangenheit in den Markt weiter geben", sagte er.
Der um Sondereinflüsse bereinigte operative Gewinn (Ebitda) stieg im zweiten Quartal um 6,8 Prozent auf 362 Millionen Euro. Analysten hatten nur 355 Millionen Euro erwartet. Der Konzern setzte von April bis Juni 2,42 Milliarden Euro um - ein Plus von 8,1 Prozent. Der Konzernüberschuss sank allerdings wegen Kosten für Umbau einer Produktion in Brunsbüttel um 2,8 Prozent auf 176 Millionen Euro.
An der Strategie, vorrangig aus eigener Kraft zu wachsen und dies durch Zukäufe zu ergänzen, will Heitmann auch bei einem Ausbau der Investitionen festhalten. "Selbstverständlich ist da noch Raum für Zukäufe," sagte der Konzernlenker. Lanxess plant jetzt für 2012 mit Investitionen von 650 bis 700 Millionen Euro. Bislang lag die Planung bei 600 Millionen Euro.