Chemiekonzern
Autokrise hat Lanxess im Griff

Die anhaltende Autokrise hat deutliche Auswirkungen auf Lanxess. Die Ergebnisse des zweiten Quartals sollen nur die Mitte der bisherigen Prognosespanne erreichen. Auch die Aktie büßt zeitweise mehr als vier Prozent ein.
  • 0

FrankfurtDie anhaltende Autokrise hat den Chemiekonzern Lanxess im laufenden zweiten Quartal fest im Griff. Die Nachfrage aus der Automobil- und Reifenindustrie sei noch nicht angezogen, sagte ein Lanxess-Sprecher am Mittwoch auf Anfrage. Er bestätigte damit Äußerungen von Finanzchef Bernhard Düttmann am Dienstag auf einer Investorenkonferenz in New York. Dort hatte Düttmann auch über fallende Preise für den Reifen-Rohstoff Butadien in Asien berichtet, was ebenfalls Folge des schwachen Marktumfelds ist. Das Geschäft mit Vorprodukten für Pflanzenschutzmittel soll dagegen weiterhin solide laufen.

Lanxess präzisierte auf der Investorenveranstaltung in New York auch seine Ergebnisprognose für das zweite Quartal. Der Konzern hatte bislang einen um Sondereinflüsse bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von 174 bis 220 Millionen Euro in Aussicht gestellt. „Der voraussichtliche Landepunkt wird in der Mitte liegen“, sagte der Sprecher nun. Analysten hatten bislang etwas mehr als die Mitte der Prognosespanne erwartet. Vor einem Jahr hatten die Rheinländer im zweiten Quartal noch einen bereinigten operativen Gewinn von 362 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die Aktien von Lanxess weiteten nach der Nachricht ihre Kursverluste aus. Das im Dax notierte Papier war zeitweise mit Kursverlusten von 4,2 Prozent auf 51,69 Euro der schwächste Wert im Dax. Der Markt interpretiere die Aussagen offenbar als Gewinnwarnung, sagt ein Börsianer. „Die Nachricht zeigt, wie groß das Überangebot im Kautschuk-Markt derzeit ist und dass die Erholung der Nachfrage länger braucht als erwartet“, erklärten die Analysten von Kepler Cheuvreux. Der Konzern will seine Geschäftszahlen zum zweiten Quartal am 6. August veröffentlichen.

Lanxess ist der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk, der unter anderem in Reifen, Dichtungen und Schläuchen zum Einsatz kommt. Das Unternehmen, das im Sommer seinen Firmensitz von Leverkusen nach Köln verlegt, erwirtschaftet rund 40 Prozent seiner Umsätze mit der Auto- und Reifenindustrie. Im Auftaktquartal war der bereinigte operative Gewinn wegen der Autokrise um 53 Prozent auf 174 Millionen Euro eingebrochen. Konzernchef hatte Axel Heitmann hatte zuletzt eine konjunkturelle Verbesserung erst im zweiten Halbjahr erwartet.

Wie schwach der Automarkt derzeit in Europa ist, zeigen die jüngsten Zahlen des Herstellerverbandes ACEA. Danach war der Automobilmarkt im Mai auf ein historisches Tief abgesackt. Die Pkw-Neuanmeldungen sanken auf den niedrigsten Stand in einem Monat Mai seit 20 Jahren. Vor allem im schuldengeplagten Süden Europas werden wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der düsteren wirtschaftlichen Aussichten kaum neue Autos gekauft. Manche Experten rechnen mit einer längeren Stagnationsphase.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Chemiekonzern: Autokrise hat Lanxess im Griff"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%