Chemiekonzern
Lanxess bereitet den Kautschuk-Rückzug vor

Lanxess bereitet seine Kautschuk-Sparte auf die Ausgliederung vor. Offenbar machen Verhandlungen über eine Partnerschaft mit anderen Konzernen Fortschritte. Das operative Geschäft entwickelt sich besser als erwartet.
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FrankfurtDer Chemiekonzern Lanxess bereitet sich intensiver auf einen Teilrückzug aus dem Kautschukgeschäft vor. Man habe mit dem Carve-out dieser Aktivitäten in eine eigenständige Gesellschaft begonnen, teilte das Unternehmen bei Vorlage der jüngsten Quartalszahlen mit. „Damit schaffen wir die Voraussetzungen, um das Kautschukgeschäft in eine Allianz einbringen zu können“, sagte Firmenchef Matthias Zachert.

Der Schritt gilt als Indiz, dass die Verhandlungen über eine Partnerschaft im Kautschukgeschäft Fortschritte machen. Lanxess spricht nach Angaben Zacherts mit mehreren Interessenten. Und diese Gespräche liefen gut, so Zachert. Als potenzielle Partner werden bisher vor allem der russische Petrochemiehersteller Nizhnekamskneftekhim (NKNK) sowie der saudische Ölkonzern Aramco gehandelt, der sich ebenfalls verstärkt in der Chemie engagiert. Lanxess selbst macht keinerlei Angaben zu den Verhandlungspartnern.

Zachert ließ auch offen, ob sich Lanxess im Zuge einer solchen Partnerschaft noch eine Mehrheit am Kautschuk-Geschäft behalten wird oder in einer Minderheitsposition geht. „Wir würden uns nicht scheuen, das Geschäft weiter zu konsolidieren, auch wenn es in den nächsten Jahren noch von Volatilität und Überkapazitäten geprägt sein wird“, sagte er. Das hänge aber letztlich vom Ausgang der Verhandlungen ab.

Konkret geht es dabei um die Geschäftsbereiche Reifen- und Spezialkautschuk sowie High Performance Elastomere mit zusammen rund drei Milliarden Euro Jahresumsatz und 3700 Beschäftigten. Sie repräsentieren, gemessen an den letzten Jahreszahlen, damit rund 37 Prozent des Gesamtkonzerns.

Das Kautschukgeschäft hatte Lanxess in den vergangenen beiden Jahren erhebliche Ertragseinbußen beschert, vor allem aufgrund von Überkapazitäten, Preisdruck und dem dadurch ausgelösten Verfall der Margen. Darauf hat der Kölner Chemiekonzern bereits mit einer Neuordnung und Sparmaßnahmen, darunter dem Abbau von 1000 Stellen in administrativen Funktionen, reagiert. Er ist inzwischen zudem dabei, seine Produktionsstruktur zu optimieren und schließt in diesem Zuge unter anderem ein Werk in Marl. Die Suche nach einem Partner für die Kautschuk-Sparten gilt als dritter und abschließender Teil der Neuordnung, die Zachert nach seinem Amtsantritt im April 2014 eingeleitet hatte.

Der Lanxess-Chef beschrieb die Situation im Kautschukgeschäft als weiterhin schwierig, auch wenn sich das Ergebnis der Sparte im ersten Halbjahr wieder etwas verbessert hat. „Wir sind durch das Tal der Tränen noch nicht hindurch, das Geschäft wird weiter herausfordernd bleiben“, sagte er. Im Kautschukbereich bestehen nach Schätzung von Lanxess Überkapazitäten von rund 20 Prozent. Weitere 15 Prozentpunkte an Überkapazitäten kommen nach den Worten Zacherts theoretisch durch zwei Großanlagen hinzu, die Lanxess in China und Singapur gebaut und im zweiten Quartal angefahren hat. Allerdings werde man die Kapazitäten der Neuanlagen nur moderat auslasten und dafür auch gewisse Leerlaufkosten in Kauf nehmen.

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