Chemiekonzern präsentiert solide Halbjahreszahlen
Jahresausblick trübt die Hoffnung für Clariant

Die Hoffnungen, die Investoren auf die Restrukturierung der Clariant AG gesetzt hatten, haben trotz guter Halbjahreszahlen einen Dämpfer bekommen. Vielen Analysten missfiel der verhaltene Ausblick auf das Gesamtjahr.

abo/oli ZÜRICH. Zwar lag das von dem Schweizer Spezialchemiekonzern vorgelegte Ergebnis im Rahmen der Erwartungen. Aber vielen Analysten, die Clariant wie Fabian Wenner von UBS grundsätzlich wieder für ein lohnendes Investment halten, missfiel der gegenüber einer BASF, Dow Chemical, oder DSM verhaltene Ausblick auf das Gesamtjahr. Die Aktie gehörte gestern zu den Verlierern der Schweizer Börse.

„Auf unser Wachstum und die Resultate können wir stolz sein“, sagte Vorstandschef Roland Lösser. Für ganz 2004 erwartet er ein „zufrieden stellendes Resultat.“ Jedoch falle die zweite Jahreshälfte in der Spezialchemie „in der Regel jeweils schwächer aus als die erste Hälfte.“ Womöglich aber bremst nicht die Branchenkonjunktur, sondern Clariants Marktposition das Wachstum. „Clariant wird es schwer haben, im zweiten Halbjahr höhere Preise durchzusetzen“, schätzt Banque- Pictet-Analyst Patrick Lambert.

Immerhin hat Clariant im ersten Halbjahr 2004 den Abwärtstrend bei Umsatz und Gewinn durchbrochen. Der Konzern meldete ein kräftiges Gewinnplus auf 126 Mill. Sfr, umgerechnet 83 Mill. Euro. Ein Jahr zuvor hatte Clariant noch 32 Mill. Euro Fehlbetrag ausgewiesen. Das operative Ergebnis legte um die Hälfte auf 206 Mill. Euro zu, dahinter stand ein Umsatzzuwachs um 7 Prozent auf knapp 2,9 Mrd. Euro – Lösser verwies auf das „starke Volumenwachstum“. Der Reingewinn fiel im zweiten Quartal mit 35 Mill. Euro unerwartet hoch aus.

Lösser kündigte an, dass im Gesamtjahr sein „Transformationsprogramm“ mit 120 Mill. Euro Ersparnis zu Buche schlagen werde, mit dem er Clariants Altlasten aus der Fusion der Chemiesparten von Sandoz und Hoechst sowie dem späteren Kauf der britischen BTP abtragen will. Doch haben die Schweizer, die bis 2007 rund 600 Mill. Franken sparen wollen, später als andere zu sanieren begonnen. Erst 40 Mill. sind bislang erreicht. Jetzt geht das Programm in Phase zwei, in der es laut Lösser „voll operativ ist und sich im gesamten Unternehmen auswirkt.“

Der Sparplan sieht den Abbau von 4 000 der rund 27 000 Arbeitsplätze bei Clariant vor. Ein Großteil der Stellen wird in Deutschland gestrichen. Zur Zeit liefen die Verhandlungen mit den Sozialpartnern, teilte das Unternehmen mit.

Zu dem Programm gehört auch der Verkauf von Geschäften, die hohe Investitionen erfordern oder nicht zu Clariants Kernaktivitäten gehören. Knapp 1 Mrd. Euro will Lösser durch die Verkäufe einnehmen, ein Drittel davon hat der Verkauf der Elektronikchemikalien an den Kapitalbeteiliger Carlyle gebracht. Mit weiteren Verkäufen will Lösser sich Zeit lassen: „Wir wollen in erster Linie den besten Preis erzielen.“

Zeit hat sich Lösser mit der Kapitalerhöhung im April verschafft, mit der die Schulden gesenkt wurden. Der 62 Jahre alte Lösser will den Konzernumbau in drei Jahren noch selbst abschließen. Konkrete Überlegungen für eine Nachfolge gebe es noch nicht, sagte ein Sprecher.

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