Chemiekonzern riskiert für Fehler des früheren Managements hohe Bußgelder
Verdikt der Börsenaufsicht droht Rhodias Sanierungskurs zu schaden

Die Rhodia S.A. kommt durch die Misswirtschaft ihres 2003 entlassenen Managements möglicherweise in Schwierigkeiten, die den 2004 eingeschlagenen Sanierungskurs gefährden.

DÜSSELDORF. Die Pariser Börsenaufsicht AMF hat festgestellt, dass der Chemiekonzern von 2000 bis 2003 seine Risiken und den wahren Unternehmenswert nicht angemessen ausgewiesen habe. Die AMF hat den Fall nach eigenen Angaben der Sanktionskommission übergeben, die hohe Geldbußen verhängen könnte.

„Die Bekanntmachung der AMF ist der Beginn eines Verfahrens, in dem Rhodia seine Argumente auf den Tisch legen wird“, teilte eine Sprecherin von Vorstandschef Jean-Pierre Clamadieu mit. Erst in einigen Monaten werde die Sanktionskommission entscheiden, ob sie gegen Rhodia Bußgelder verhängen werde oder nicht – eine Buße von mehr als 1,5 Millionen Euro sei nicht zu erwarten. Der Kurs der Rhodia-Aktie lag gestern um 1,9 Prozent unter Vortagesschluss bei 1,58 Euro.

Die AMF wirft der früheren Geschäftsleitung unter Jean-Pierre Tirouflet vor, die 2000 erworbene Pharmafirma Chirex bis 2003 zu überhöhten Bewertungen in den Büchern geführt zu haben. Außerdem habe sie zu hohe Steuerguthaben ausgewiesen und das Ausmaß ihrer Verschuldung verschleiert.

Auch über die Umweltrisiken bei Rhodia zeigte sich die Behörde besorgt. Bei der Abspaltung von Rhône-Poulenc 1998 hatte sich der Konzern durch einen Abschlag von 88 Mill. Euro von den Altlasten freigekauft. Inzwischen verhandelt Konzernchef Clamadieu mit dem Rechtsnachfolger von Rhône-Poulenc, Sanofi-Aventis, über eine neue Zahlung. Laut der Zeitung „Le Monde“ betragen die Risiken bis zu 500 Mill. Euro. Rhodia nennt diese Zahl „völlig übertrieben“.

Der AMF-Vorstoß kommt für Clamadieu zur falschen Zeit. Anfang 2004 hatte er den Spezialchemiekonzern, der mit 5,3 Milliarden Euro Umsatz halb so groß ist wie sein deutscher Konkurrent Degussa, vor der Pleite gerettet: Rhodia besorgte sich 470 Mill. Euro neues Kapital, lieh sich 600 Mill. Euro und kappte die Schulden durch Spartenverkäufe um knapp 800 Mill. Euro auf 2,4 Mrd. Euro.

Den Schulden stehen weit weniger Eigenmittel gegenüber. Clamadieu will aber vor einer neuen Rekapitalisierung operative Qualitäten und finanziellen Verlässlichkeit beweisen. Bisher glaubte er, dafür bis zur nächsten Anleihefälligkeit im Jahr 2006 Zeit zu haben. Jetzt sagen Analysten, die Rhodia seit langem beobachten, die neuen Turbulenzen könnten die Kapitaldecke so belasten, dass Clamadieu früher an den Kapitalmarkt gehen müsse.

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