Chemiekonzern verfolgt eigene Wege
Lanxess will außerhalb Europas auf große Einkaufstour gehen

Der Leverkusener Chemiekonzern Lanxess liebäugelt mit einer Übernahme außerhalb Europas. Vorstandschef Axel Heitmann sagte in einem Gespräch mit dem "Tagesspiegel": "Ich will aus Lanxess einen weltweit bedeutenden Chemiekonzern mit deutschen Wurzeln bauen."

DÜSSELDORF. Bei Vorlage der Neunmonatszahlen hatte Heitmann lediglich eine kleinere regionale Akquisition in Aussicht gestellt. Jetzt spricht der Lanxess-Chef von einer "großen Übernahme in den nächsten zwölf bis 24 Monaten".

Die Frage nach einer Übernahme von Degussa stelle sich - wie in den letzten Wochen vermutet - aber nicht konkret. Die Essener RAG als Eigentümer von Degussa verfolgt derzeit andere Ziele. "Sollte sich an den RAG-Plänen jedoch etwas ändern, stehen wir bereit", sagt Heitmann.

Auf die politische Unterstützung der NRW-Landesregierung könnte Lanxess dabei bauen; sie will den Chemiestandort Nordrhein-Westfalen erhalten. Wirtschaftsministerin Christa Thoben hat gerade in Leverkusen ihre Unterstützung für die Initiative "Kunststoffland NRW" zugesagt. Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben Lanxess noch andere große und mittelständische Chemieunternehmen, Verarbeiter und wissenschaftliche Einrichtungen, die die Stellung des Landes auf dem Gebiet der Kunststoffe stärken wollen.

Abgesehen von den Expansionsplänen beschäftigen Lanxess viele Probleme vor Ort. Von den 6 000 Mitarbeitern der gemeinsamen Bayer/Lanxess-Tochter "Bayer Industry Services" (BIS) sollen 2 400 Mitarbeiter in andere Unternehmen ausgelagert werden, 600 Mitarbeiter werden bis 2009 ihren Arbeitsplatz verlieren. Bayer-Chef Werner Wenning sagte kürzlich: "Die Anpassungen sind notwendig, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit aller Chemiepark-Partner mit ihren insgesamt 50 000 Mitarbeitern zu erhalten."

Mitten in die schwierigen Verhandlungen zwischen BIS-Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern platzte die Meldung, Lanxess plane eine eigene Gesellschaft für "Technical Services". Ab Januar sollen 700 Mitarbeiter in eine hundertprozentige Lanxess-Tochter wechseln, die jedoch nicht zu BIS gehören.

Während die BIS-Mitarbeiter in eine neue selbständige Gesellschaft ausgegliedert werden, sieht das Lanxess-Modell genau den anderen Weg vor, sagt Vorstandsmitglied Ulrich Koemm: "Durch die Steigerung von Flexibilität und Effizienz soll die Instandhaltung auch Aufgaben übernehmen, die bisher externe Dienstleistern wahrgenommen haben."

Lanxess-Chef Axel Heitmann macht es offensichtlich Spaß, seinen ehemaligen Mitstreitern bei Bayer zu zeigen, wie man schnell und beherzt Probleme löst.

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