Chemieriese: Europa als Markt für Gentechnik zu unattraktiv für BASF

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Europa als Markt für Gentechnik zu unattraktiv für BASF

BASF verlegt die Zentrale seiner Tochter für grüne Gentechnik in die USA. Begründet wird das mit der fehlenden Akzeptanz in Europa. Hierzulande war der Konzern wegen der Gen-Kartoffel „Amflora“ in die Kritik geraten.
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Ludwigshafen/BerlinDer weltgrößte Chemiekonzern BASF gibt den europäischen Markt für Pflanzenbiotechnologie weitgehend auf. Der Sitz des Tochterunternehmens für grüne Gentechnik wird von Limburgerhof bei Ludwigshafen in die USA verlegt, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Zur Begründung hieß es, in weiten Teilen Europas fehle noch immer die Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker für die Pflanzenbiotechnologie. Neuer Standort der BASF Plant Science wird das Forschungszentrum Research Triangle Park nahe Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina. BASF war vor allem wegen der Gen-Kartoffel „Amflora“ immer wieder in die Kritik geraten.

Plant Science hat nach eigenen Angaben weltweit rund 840 Mitarbeiter, 157 davon in Limburgerhof und 57 in Gatersleben in Sachsen-Anhalt. In Limburgerhof sollen es künftig nur noch elf sein, Gatersleben wird neben dem Standort im schwedischen Svalöv mit zurzeit sechs Mitarbeitern geschlossen. Der Großteil dieser Stellen wird nach Konzernangaben an andere Standorte verlegt - vor allem nach Raleigh, aber auch nach Berlin und ins belgische Gent. Insgesamt sollen binnen zwei Jahren 78 Stellen in Europa abgebaut werden.

Die Entwicklung aller ausschließlich auf den europäischen Markt ausgerichteten Produkte wird nach BASF-Angaben gestoppt. Die bereits laufenden Zulassungsprozesse würden weitergeführt. „Wir sind davon überzeugt, dass die Pflanzenbiotechnologie eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts ist“, sagte BASF-Vorstandsmitglied Stefan Marcinowski einer Mitteilung zufolge. BASF werde sich fortan auf die attraktiven Märkte in Nord- und Südamerika sowie die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren.

Die Bundesregierung will die geplante Verlegung der Tochter für grüne Gentechnik des Chemiekonzerns BASF in die USA nicht kommentieren. Es handele sich um eine unternehmerischen Entscheidung, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Montag in Berlin. Minister Philipp Rösler (FDP) werbe generell für Offenheit für Technologien in Deutschland. Das Verbraucherministerium wollte ebenfalls keine Stellung nehmen.

Die EU-Kommission hatte die Stärkekartoffel „Amflora“ der BASF Anfang 2010 für den kommerziellen Anbau zugelassen. In Deutschland war sie 2010 erstmals kommerziell in Mecklenburg-Vorpommern gepflanzt worden. Dagegen hatte es heftige Proteste gegeben. Die Stärke aus der Kartoffel soll der Industrie helfen, Rohstoffe zu sparen.

Der Chemieriese BASF verlagert angesichts der Gentechnik-Skepsis in Europa seine Zentrale für Pflanzen-Biotechnik von Deutschland in die USA. In Europa sollen in den kommenden zwei Jahren 140 Stellen abgebaut werden. Die Unternehmenszentrale der Tochter BASF Plant Science ziehe von Limburgerhof nahe des Konzernsitzes in Ludwigshafen nach Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina, kündigte BASF am Montag an. Zudem werde die Pflanzengentechnik-Forschung und -Entwicklung in Raleigh sowie im belgischen Gent und in Berlin konzentriert. BASF will außerdem die Entwicklung aller Pflanzenbiotech-Produkte stoppen, die ausschließlich auf Europa ausgerichtet sind.

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