Chemische Industrie
Dreikampf am Niederrhein

Vor zwei Jahren ist die Idee eines großen nordrhein-westfälischen Chemiekonzerns aufgeflackert. Daraus wurde bekanntlich nichts. Stattdessen stehen die drei Chemie-Akteure Evonik, Lanxess und Bayer Material Science (BMS) weiter im Wettbewerb - wenn auch nicht so sehr auf der Produktebene, so doch im Hinblick auf die wirtschaftliche Stärke.
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FRANKFURT. Zurzeit hat dabei die Essener Evonik klar die Nase vorn. Zumindest wenn man sich an den bei Managern und Finanzinvestoren gleichermaßen beliebten Ertragskennziffern wie dem bereinigten operativen Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) und dessen Relation zum Umsatz orientiert. Mit einer Ebitda-Marge von knapp 16 Prozent in den ersten neun Monaten stellt Evonik nicht nur die beiden lokalen Konkurrenten deutlich in den Schatten. Die Essener übertreffen sogar auch den Branchenführer BASF, der in seinem eigentlichen Chemiegeschäft ohne Öl und Pflanzenschutz nur halb so gut verdiente.

Während BMS einen massiven und Lanxess einen leichten Verfall der Margen ausweisen, konnte Evonik trotz Rezession den Renditewert des Vorjahres übertreffen und damit an das Niveau des Boomjahres 2007 anknüpfen. Dabei haben Sparprogramme geholfen. Vor allem aber dürfte der Konzern von seinem relativ breit gefächerten Produktprogramm profitieren. Evonik liefert in stärkerem Maße als BMS und Lanxess an konjunkturrobuste Branchen wie Pharma, Kosmetik und Nahrungsmittelindustrie. Der Umsatzrückgang im Chemiegeschäft fiel daher nicht ganz so deutlich aus. Zudem war Evonik von Schwankungen bei den Rohstoffkosten offenbar weniger stark betroffen.

Im längerfristigen Vergleich wirkt vor allem der Absturz von BMS eklatant. Die Bayer-Kunststoff-Tochter entpuppt sich damit als weitaus konjunkturanfälliger als die beiden Wettbewerber. Womöglich verbergen sich aber auch strukturelle Schwächen hinter dem starken Margenverfall. Immerhin hat BMS seit 2004 bei der Ebitda-Marge rund zehn Prozentpunkte eingebüßt.

Demgegenüber konnte Lanxess, die Bayer damals mit den ungeliebten Chemiesparten in die Unabhängigkeit geschickt hatte, die Ebitda-Rendite trotz Rezession seither um zwei Punkte verbessern. Dem Konzern kommt zugute, dass er seit Jahren bereits an der Effizienzsteigerung arbeitet und sich von einer Reihe renditeschwacher Einheiten getrennt hat.

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