Chery könnte einen Kleinwagen liefern
Chrysler auf Partnersuche in China

Der amerikanische Autohersteller Chrysler führt mit dem chinesischen Konkurrenten Chery Gespräche über eine Kooperation bei Kleinwagen. Die US-Tochter des Stuttgarter Daimler-Konzerns sucht nach einem Partner, um möglicherweise schon vom nächsten Jahr an ein kleines Auto anbieten zu können. Chery könnte einen deutschen Autokonzern ausstechen.

DÜSSELDORF. Nicht nur mit Volkswagen, sondern auch mit dem chinesischen Autohersteller verhandelt der US-Autohersteller Chrysler über eine Kooperation. Chrysler hat noch kein eigenes Angebot in diesem Segment und ist daher auf die Zusammenarbeit mit einem Partner angewiesen. Das neue Auto könnte frühestens im nächsten Jahr verkauft werden.

Das renommierte amerikanische Fachmagazin Automotive News berichtete, dass der US-Autohersteller möglicherweise einen Kleinwagen von den Chinesen produzieren lassen werde. Mit dem neuen Auto wolle Chrysler seine Position außerhalb der Vereinigten Staaten stärken. In den USA wird der Kleinwagen zunächst nicht erhältlich sein, aber im Rest der Welt.

Automotive News beruft sich in seinem Bericht auf Zulieferer aus China. Danach soll der Chery-Kleinwagen unter den Markennamen Dodge oder Chrysler verkauft werden. Chery-Chef Yin Tongyao halte sich heute zu Gesprächen in der Chrysler-Zentrale bei Detroit auf. Unternehmens-Sprecher Mike Aberlich wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. Er bestätigte lediglich, dass Chrysler mit mehreren Herstellern Gespräche über eine Zusammenarbeit bei Kleinwagen führe. Im Frühjahr hatte Konzernchef Tom LaSorda bereits bestätigt, dass der Wolfsburger VW-Konzern einer dieser möglichen Partner sei. Beide Unternehmen arbeiten bereits bei Minivans zusammen.

Auch zwischen Chery und Chrysler gibt es bereits eine andere technische Kooperation. Die Chinesen beziehen Motoren vom deutsch-amerikanischen Daimler-Chrysler-Konzern. "Über grundsätzliche technische Fragen redet unsere Seite also mit Chery", ergänzte der Chrysler-Sprecher. Frühestens vom nächsten Jahr an wird die amerikanische Tochter des Stuttgarter Autokonzerns mit dem neuen kleinen Fahrzeug auf den Märkten präsent sein. Im März war auf dem Autosalon in Genf bereits eine Kleinwagen-Studie von Chrysler zu sehen. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte das Auto auch in den USA verkauft werden.

Chrysler hat bislang überhaupt keinen Kleinwagen etwa im Format eines Volkswagen Polo im Programm. Der Hersteller ist weitestgehend auf den US-Markt fokussiert, wo es nur ganz wenige Kleinwagen in europäischer Größe zu kaufen gibt. Chrysler will jedoch seine Abhängigkeit vom US-Markt reduzieren und stärker weltweit präsent sein. Ein Kleinwagen könnte dabei helfen. Eine Fertigung in China würde zudem die Kosten eines solchen Autos niedrig halten. Könnte Chrysler auf ein Chery-Modell zurückgreifen, würde auch die Entwicklungskosten deutlich geringer ausfallen. Auch andere Konzerne kooperieren bei Kleinwagen, weil die Erträge entsprechend der Größe ebenfalls klein ausfallen. In Europa produzieren etwa Peugeot und Toyota sowie Ford und Fiat gemeinsam Fahrzeuge dieses Segments.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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