Chevrolet-Kauf
Magna will Russlands Automarkt aufrollen

Auch nach dem Opel-Kauf hat der Zulieferer Magna weiterhin große Pläne. Das Konsortium verhandelt mit General Motors über den Kauf von Chevrolet, um mit der Marke den russischen Automarkt zu erobern. Dabei stürzt der einstige Boommarkt immer weiter ab.

MOSKAU/WIEN. Die Pläne von Magna gehen weit über Deutschland und Opel hinaus. Der Zulieferkonzern will mit Hilfe von General Motors (GM) Zugang zum russischen Markt. „Wir streben an, dass wir auch die Vertriebsrechte für die GM-Marke Chevrolet für Russland und die anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion bekommen“, sagte Magna-Europachef Siegfried Wolf. In der gesamten Region könnten die verkauften Stückzahlen in den kommenden Jahren von aktuell 300 000 auf etwa eine Million steigen.

Anders als Opel ist Chevrolet in Russland gut im Geschäft. Derzeit nimmt der US-Hersteller nach verkauften Autos hinter Lada den zweiten Platz ein – allerdings dicht gefolgt vom Konkurrenten Ford. „Chevrolet ist sehr gut aufgestellt, vom Klein- bis zum Geländewagen“, sagt Dimitrij Scharowatow von der Unternehmensberatung Simon Kucher & Partners. So habe die Marke ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Einziger Schwachpunkt sei das sogenannte Business-Class-Segment, zu dem unter anderem eine Mercedes E-Klasse zählt. „Wenn ein neuer Eigentümer nichts falsch macht, dann bleiben die Aussichten gut“, so Scharowatow.

Magna will von GM nicht nur die Vertriebsrechte, sondern auch die Produktion in Russland und den Nachbarstaaten übernehmen. General Motors fertigt in St. Petersburg, Kaliningrad und im südrussischen Togliatti. Außerdem soll ein GM-Werk in Usbekistan in Zukunft unter der Regie von Magna produzieren. In diesen Fabriken mit einer Jahresproduktion von mehreren 100 000 Autos dominiert die Marke Chevrolet (früher Daewoo aus Korea).

Opel dürfte in diesem Szenario nur eine untergeordnete Rolle spielen. Offen bleibt auch die Rolle des Magna-Partners GAZ. Die Ankündigung, bereits in neun Monaten Opel-Modelle gemeinsam mit GAZ produzieren zu können, halten Beobachter für sehr ehrgeizig. „Um in Russland eine Montagelinie aufzubauen, sind mindestens eineinhalb Jahre nötig“, so ein westlicher Manager aus der Autobranche.

Wann Magna mit GM zu einer Vereinbarung in Russland kommt, ist offen. Aus Magna-Kreisen verlautete dazu, dass alle Punkte mit den Amerikanern verhandelt werden. Magna strebt einen Abschluss der Gespräche bis Mitte Juli an. Russlands Automarkt geht derweil immer tiefer in die Knie. Nachdem Experten bereits im April eine Stabilisierung des Marktes feststellen wollten, brachen die Absatzahlen im Mai weiter ein – um 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt hat es in der Krise den osteuropäischen Automarkt mit einem Rückgang von 42 Prozent im Vergleich am härtesten getroffen. Von dem Ziel, Deutschland als größten Markt in Europa abzulösen, ist Russland wieder weit entfernt.

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