China ändert Rechtslage
Pharmakonzerne müssen um Patente bangen

China hat seine Patentgesetze geändert. Unter bestimmten Umständen dürfen künftig auch unter Patentschutz stehende Medikamente kopiert werden. Westliche Pharmakonzerne dürften beunruhigt sein - und das nicht zu Unrecht.
  • 8

HongkongChina hat heimischen Pharmaherstellern unter bestimmten Umständen das Kopieren von unter Patentschutz stehenden Medikamenten erlaubt. Das geht aus Dokumenten hervor, die das Patentamt im Internet veröffentlichte und die westlichen Pharmakonzernen große Sorgen bereiten dürften - China ist für sie ein wichtiger Wachstumsmarkt. Erst vor drei Monaten hatte Indien in einem wegweisenden Urteil Bayer zur Herausgabe eines Patents für ein teures Krebsmedikament gezwungen, um mehr Kranken eine Behandlung zu ermöglichen.

China änderte den Dokumenten zufolge die Gesetze zum geistigen Eigentum, um ebenfalls solche "Zwangslizenzen" zu ermöglichen. Im Falle eines staatlichen Notstands, unter ungewöhnlichen Umständen oder im Interesse der Öffentlichkeit können geeignete chinesische Firmen dann entsprechende Generika herstellen. Diese Nachahmer-Medikamente können sogar unter bestimmten Umständen ins Ausland exportiert werden können. Die Welthandelsorganisation WTO erlaubt solche Zwangslizenzen, falls lebensrettende Behandlungen in einem betroffenen Land unbezahlbar sind. Das Patentamt erklärte auf Reuters-Anfrage, die neuen Regeln seien bereits seit Anfang Mai in Kraft.

Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten Reuters, dass China etwa das Aids-Mittel tenofovir von Gilead Sciences im Visier hat und bald produzieren will. Bob Verbruggen, der die UN in Aids-Fragen berät, erklärte, China plane offenbar, ein Generika-Hersteller für den heimischen und den internationalen Markt zu werden. Die Regierung in Peking hat eingeräumt, ein Problem mit rasant steigenden Aids-Erkrankungen zu haben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " China ändert Rechtslage: Pharmakonzerne müssen um Patente bangen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • private Forschung forscht nach Abhängigkeit.

    Da ist was dran. Man denke nur an Ritalin oder Antidepressiva. Alles Mittel, die man bleibend nehmen muss, wenn man einen Effekt haben will. Das mit der unabhängigen Forschung macht wirklich Sinn. Wäre auch dafür.
    Mich stören auch die Marketingmethoden, die hierbei verwendet werden, wie z.B. Kinderbücher, wo dann der Held alles kan, wenn er nur täglich seine Tablette nimmt. Wie gesagt, Zielgruppe Kinder......

  • man muss das sogar noch differenzierter sehen.

    damals wurden Medikamente entwickelt (heute auch teilweise) um Krankheiten zu besiegen.
    heute werden mehr Meds produziert um zu lindern, anstatt vollständig zu heilen.
    Bestes Beispiel AIDS-Meds...diese soll/muss man ein lebenlang einnehmen..
    nur noch unabhängige und freie Institute forschen nach Heilung (siehe Kanada, die haben bereits 2009 patentfrei herausgefunden wie man Krebs besiegen kann (patentfreier Stoff löst krebszellen-zelltod aus)) private Forschung forscht nach Abhängigkeit..so etwas hatten wir in 1920s etc. bei Glühbirnen +laufzeit-skandal...heute ist das wirtschaftlicher gesehen/akzeptiert.

  • Was hat China mit Menschlichkeit zu tun. China sucht nach Ausreden um Patentrechte zu brechen und dann denn Weltmarkt zu überfluten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%