China als „Zeitbombe“
Überkapazitäten bedrohen Stahlbranche

Die weltweite Stahlbranche hat wenig Grund zum Feiern: Neben der Wirtschaftskrise verderben enorme Überkapazitäten die Preise. Das betrifft nicht nur den Krisenkontinent Europa - Sorgen macht auch China.
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Frankfurt/DüsseldorfDie Probleme der Stahlbranche werden immer größer: Schwankende Rohstoffpreise, schwache Wirtschaftsaussichten und - besonders in Deutschland - harte Umwelt- und Emissionsauflagen machen den Stahlkochern zu schaffen. In dieser Woche zogen die Manager der wichtigsten Stahlkonzerne bei der Weltstahl-Konferenz in Neu Delhi die Konsequenz und strichen die Prognosen zusammen. Die Branche blickt nun mit deutlich mehr Skepsis in die Zukunft.

Ein Teil der Probleme ist aber auch hausgemacht - die Branche produziert nach Einschätzung zahlreicher Experten viel mehr Stahl als benötigt wird. Die Folge ist ein beinharter Preiskampf. Vor allem über China gibt es Unmut.

Das Land hat sich in den vergangenen Jahren im Zuge des rasanten Wirtschaftsaufschwungs zum mit Abstand größten Stahlhersteller der Welt entwickelt, fast die Hälfte der globalen Rohstahlproduktion von rund 1,5 Milliarden Tonnen im vergangenen Jahr kam von dort. Von den rund 683 Millionen Tonnen Rohstahl, die nach offiziellen Zahlen im vergangenen Jahr in China herstellt wurden, gelten Branchenkennern aus Europa zufolge rund 200 Millionen Tonnen als Überproduktion.

Angst vor Unruhen, die bei massenhaften Werksschließungen drohen könnten, verhindern nach Ansicht von Beobachtern einen Abbau der Überkapazitäten. Während es nur ganz langsam gelingt, veraltete Anlagen abzuschalten, werden parallel neue Werke gebaut. „Wir sehen, dass es den Versuch gibt, die Überkapazitäten zu kontrollieren“, sagt der Präsident der deutschen Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. Nun müssten den Beteuerungen aber Taten folgen, fordert der Experte.

Viele europäischer Manager halten China längst für eine tickende Zeitbombe. „Wenn zu viel von diesem Stahl auf den Markt kommt, entsteht eine Gefahr für die Stabilität der Weltstahlmärkte“, sagt Kerkhoff. Denn wenn die erheblichen Infrastrukturprojekte einmal abgeschlossen sind, könnte der ganz große Crash kommen.

Das versucht die chinesische Regierung freilich zu vermeiden. Angesichts des sich abkühlenden Wirtschaftswachstums kündigte sie bereits neue Konjunkturprogramme an. So verschiebt sich das Problem in die Zukunft. Bereits jetzt überschüssige Stahlmengen versucht China zu exportieren - vor allem ins benachbarte Ausland. Damit verdirbt das Land dort die Preise. Europa ist davon noch verschont - was auch an der Wirtschaftskrise in den südlichen Ländern liegt.

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Vor allem in Südeuropa sieht es katastrophal aus

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