China
Chinesen auf Rohstoff-Schnäppchenjagd

Für rund 1,3 Milliarden Euro will der chinesische Metallhändler Minmetals den zweigrößten Zinkproduzenten der Welt OZ Minerals übernehmen. Mit solchen Deals sichert sich China systematisch weltweit den Zugang zu Rohstoffen vor Ort. Zur Zeit gibt es den ein oder anderen Einstieg zum Schnäppchenpreis.

PEKING/DÜSSELDORF. Die Tinte unter dem Vertrag zwischen dem hochverschuldeten Minenkonzern Rio Tinto und dem chinesischen Aluminiumkonzern Chinalco ist noch nicht trocken, da landet der chinesische Metallhändler Minmetals den nächsten Coup. Die Chinesen wollen für 2,6 Mrd. australische Dollar (1,3 Mrd. Euro) OZ Minerals übernehmen, den zweitgrößten Zinkproduzenten der Welt. Mit dem Geld können alle offenen Kredite des ebenfalls hochverschuldeten australischen Konzerns beglichen und die OZ-Minen weiterbetrieben werden. Erst vor vier Tagen hatte Chinalco mit einer Kapitalspritze von 19,5 Mrd. Dollar (15,1 Mrd. Euro) seinen Einfluss auf den führenden Rohstoffkonzern Rio Tinto ausgeweitet.

Das Vorgehen der Chinesen ergibt durchaus Sinn. Mit dem Einstieg in Rohstoffunternehmen sichert sich China systematisch weltweit den Zugang zu Rohstoffen vor Ort. Solche Engagements haben zurzeit einen besonderen Charme: Denn seit dem abrupten Ende der Rohstoffhausse sind nicht nur die Preise der Rohstoffe gefallen, auch das Geschäft der internationalen Konzerne hat gelitten. Den einen oder anderen Einstieg gibt es jetzt quasi zum Schnäppchenpreis.

Die Rohstoffnachfrage war weltweit Mitte 2008 massiv zurückgegangen. Die internationale Finanzkrise und die daraus folgende konjunkturelle Eintrübung hatten den seit 2003 andauernden Boom an den Warenmärkten abrupt gestoppt. Der viel beachtete Rohstoffindex CRB rutschte von seinem Rekordhoch Mitte Juli bei rund 474 Punkten ab und stoppte erst bei knapp 210 Punkten. Um dieses Niveau pendelt er seit Anfang Dezember. Auch die Aktien der großen Rohstoffkonzerne haben in dieser Zeit kräftig Federn gelassen.

"Die Bewertungsparameter sind deutlich günstiger als vor einem Jahr", sagt Gabor Vogel, Senior-Rohstoffanalyst der DZ Bank. Dabei dürfe etwa im speziellen Fall von Rio Tinto der Schuldenhintergrund nicht außer Acht gelassen werden. "Bei reinen Beteiligungen macht es auf dem aktuellen Niveau Sinn, eine Position aufzubauen", sagt Vogel. Dies gelte in den nächsten drei bis sechs Monaten insbesondere für langfristige strategische Investoren wie beispielsweise China. Das Land sichert sich weltweit den Zugang zu den wichtigen Ressourcen aber nicht nur durch Beteiligungen. "Der Einkauf findet zum Teil schon auf Einzelminenebene statt", sagt Vogel.

Chinas Regierung schreckt momentan zwar vor weiteren Investitionen bei ausländischen Finanzinstituten zurück, nachdem die erworbenen Milliardenanteile etwa am US-Investmenthaus Blackstone oder an der britischen Barclays Bank stark an Wert verloren haben. Im Rohstoffbereich sieht es aber anders aus. Hier strebt Peking einen stärkeren Ausbau der eigenen Quellen an, erhöht zum Beispiel die inländische Gasförderung oder baut die Kapazität der Ölraffinerien im Reich der Mitte aus. Vor allem die großen Staatskonzerne schauen zugleich auf dem Rohstoffmarkt im Ausland nach Chancen der Nachschubsicherung.

Jin Liqun, Aufsichtsratsvorsitzender des chinesischen Staatsfonds, hat vor einigen Wochen öffentlich erklärt, dass die globale Krise für chinesische Firmen durchaus gute Chancen für Übernahmen im Ausland biete. Kurz darauf wurde bekannt, dass Chinalco mit dem australisch-britischen Minenkonzern Rio Tinto über die inzwischen beschlossene Kapitalspritze verhandelt. Das Engagement von Chinalco bei Rio Tinto ist bislang das größte Auslandsengagement eines chinesischen Staatskonzerns. Aber auch andere Rohstoffriesen haben Milliarden investiert. Sinopec, die größte Öl-Raffinerie Chinas, hat beispielsweise erst vor einigen Monaten 1,8 Mrd. Dollar für Tanganyika Oil bezahlt.

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