China
Der Drache lernt fliegen

China startet den ersten selbst gebauten Airbus. Mit dabei: Ein deutscher Ingenieur. Er macht die chinesischen Flugzeugbauer fit für den großen Angriff auf den Markt – zum Missfallen von Kollegen.

TIANJIN. Wie soll man ein imposantes Flugzeug verstecken? Jean-Luc Charles muss selbst lachen. Der Manager sitzt in seinem Airbus- Büro in der chinesischen Hafenstadt Tianjin mit Blick auf eine Betonpiste. Er sagt: „Wir haben das gute Stück ein bisschen abgedeckt und abseits geparkt, damit man die Lackierung der Fluggesellschaft nicht sieht.“ Flugzeug verstecken, keine Fotos zulassen von der Nummer eins. So, wie es der Kunde gewünscht hat. Charles ist Franzose, er kann das alles recht gelassen sehen, obwohl es hier um eine große Sache geht.

Denn der Kunde ist Sichuan Airlines und das abgedeckte Flugzeug eine Staatsaffäre. Es ist der erste Airbus der A320-Familie, der in China gebaut wurde. Und ein Signal, dass China Ernst macht. Die Regierung in Peking will eine Luftfahrtnation werden, seit Jahren versucht die Regierung, einen Hersteller aufzubauen. Nun gibt es eine erste Maschine, die Prestige verspricht. Sie soll morgen zum ersten Mal starten. Der Drache lernt fliegen. Und so werden in der Industriezone von Tianjin am Dienstag 1000 Gäste erwartet, unter ihnen der stellvertretende Premierminister Wang Qishan.

„Auch für unsere Mannschaft ist das ein besonderer Tag“, sagt Manager Charles. Er ist seit 30 Jahren als Ingenieur bei Airbus, im Moment als Chef in Tianjin. In China wird sich wohl die Zukunft der Flugindustrie entscheiden. Airbus schätzt, dass die Zahl der Flugpassagiere bis 2020 jedes Jahr um 9,1 Prozent steigt – auf mehr als eine halbe Milliarde. Bis dahin bräuchte China 1790 Flugzeuge, so jedenfalls rechnet Airbus. Das wäre gut ein Zehntel des weltweiten Bedarfs. Und der Regierung in Peking ist der Traum vom eigenen Flieger viel wert.

Der Partner hält zwar nur 49 Prozent an dem Unternehmen – Airbus hält 51 Prozent –, hat das Projekt aber fast allein finanziert: das Grundstück, die Hallen und Maschinen, die Ausbildung der Belegschaft, selbst den Transport der Airbus-Teile aus Europa, die bis zur letzten Schraube alle aus Hamburg eingeschifft werden. Auch wenn die Manager nicht sagen, was das kostet: Es ist teuer.

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