China-Geschäft
„Airbus ist über den Tisch gezogen worden“

Am Montag herrschte Jubelstimmung: China kauft 150 Flugzeuge bei Airbus; parallel dazu baut das Unternehmen eventuell eine Fertigung im Reich der Mitte auf. Am Dienstag folgt die Ernüchterung: Wissenschaftler fürchten, dass die Europäer langfristig Verlierer des Geschäfts sein werden.

HB PARIS. „Die Europäer haben gebilligt, was die US-Behörden Boeing verboten haben, nämlich den Bau eines Montagewerks, was einen bedeutenden Technologietransfer voraussetzt“, sagte der Wirtschaftskrieg-Forscher Christian Harbulot der Pariser Zeitung „Le Parisien“ (Dienstagsausgabe). „Boeing durfte nur eine Reparatur- und Wartungswerft bei Schanghai bauen.“ Bislang werden Airbus-Jets ausschließlich in Frankreich (Toulouse) und Deutschland (Hamburg) montiert.



EADS hatte am Montag den Verkauf von 150 Flugzeugen der Typen Airbus A319, A320 und A321 an China bekannt gegeben. Um das 10-Milliarden-Dollar-Geschäft an Land zu ziehen, hatte EADS im Gegenzug erklärt, bis Mitte 2006 den Bau eines Montagewerks für diese Flugzeugtypen in China zu prüfen. Auch bei der Hubschrauber-Produktion will der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern mit den Chinesen zusammenarbeiten. „Die industrielle Zusammenarbeit ist notwendig, um in China Flugzeuge verkaufen zu können“, verteidigte Airbus-Chef Gustav Humbert am Montag das Gegengeschäft.

Der Direktor der Pariser Ecole de Guerre Économique warf der Airbus-Mutter EADS vor, „über den Tisch gezogen worden“ zu sein. EADS mache zwar anfangs gute Geschäfte, laufe aber Gefahr, dass China in einigen Jahren „die gleichen Flugzeuge baut und keine Airbusse mehr kauft“. Dass die Börse das Geschäft feiere, zeige nur, dass die Börsianer „sich nicht um die Zukunft eines Unternehmens wie Airbus kümmern“, sondern kurzfristig denken.

Harbulot stellte einen grundsätzlichen Unterschied im Herangehen der USA und Europas an solche Wettbewerbsfragen fest. So setze der angebliche Freihandelsmeister USA Textilquoten gegen China durch, während die EU auf völligen Freihandel setze. „Das ist ein schwerer strategischer Fehler, der vor allem daher kommt, dass wir in Europa - anders als die USA oder China - keine politische Orientierung der Wirtschaft haben“, sagte Harbulot.

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