China macht Angst
Stahlbranche kommt nicht aus der Dauerkrise

Die Stahlindustrie in Europa hofft seit Jahren vergeblich auf bessere Zeiten. Stattdessen trüben sich die Aussichten derzeit sogar noch weiter ein. Grund ist die schwächelnde Konjunktur in China. Die Branche pocht auf Hilfen der Politik.

DüsseldorfEuropas Stahlindustrie kommt einfach nicht aus der Krise. Vom heftigen Wirtschaftseinbruch nach der Finanzkrise vor gut sieben Jahren hat sich die Branche bis heute nicht erholt. Kleine Hoffnungszeichen haben sich immer wieder aufgelöst. Derzeit herrscht wieder Alarmstimmung. Die Traditionsbranche sieht ihr Überleben in Gefahr.

Warum kommt die Branche nicht auf die Beine? Als Antwort reicht fast ein Wort: Überkapazitäten. Es geht um das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Zu viel Stahl stößt auf einen zu geringen Bedarf. Deshalb stehen die Preise unter Druck. Das war in den vergangenen Jahren wegen der Wirtschaftskrise im Süden vor allem ein Problem in Europa. Wegen der Konjunkturschwäche in China hat sich die Lage zuletzt weiter verschärft.

Wie sieht es in Deutschland aus? Den Stahlkonzernen hierzulande ging es zuletzt noch vergleichsweise gut. Dank der robusten deutschen Konjunktur konnten sie ihre Auslastung hoch halten. Dem branchenweiten Preisdruck können aber auch sie sich nicht entziehen. Erst am Donnerstag musste die deutsche Nummer zwei, Salzgitter, ihre Prognose senken.

Reagieren die Konzerne denn gar nicht? Doch, sie versuchen gegen den Preisverfall anzusparen. So hat Weltmarktführer Arcelor-Mittal in Europa in den vergangenen Jahren vier von 25 Hochöfen stillgelegt. Bei ThyssenKrupp haben die Stahlkocher in Duisburg ihre Wochenarbeitszeit reduziert und verzichten seitdem auf Lohn. Bei Salzgitter sind zahlreiche Stellen weggefallen. Das zahlte sich im ersten Halbjahr in höheren Gewinnen aus. Für Entlastung sorgte dabei auch der Verfall der Rohstoffpreise.

Ist das Schlimmste also vorüber? Die Nachfrage in Europa zieht zwar wieder an. Doch der globale Ausblick ist trüb. Erstmals seit langem erwartet der Weltstahlverband in diesem Jahr einen Nachfragerückgang. Vor allem China hält die Branche in Atem. Das Land ist der mit Abstand größte Stahlhersteller. Derzeit produziert es aber viel mehr Stahl als es selbst verbraucht. Die Rede ist von einer Überproduktion von 200 Millionen Tonnen, das ist mehr Stahl als derzeit in ganz Europa pro Jahr hergestellt wird. Die Überproduktion versuchen die Chinesen im Ausland loszuwerden, was dort die Preise verdirbt.

Was ist zu tun? Die Branche fordert Schutzzölle gegen vermeintliche Dumping-Angebote aus dem Reich der Mitte. „Wir haben in Europa den offensten und liberalsten Stahlmarkt der Welt“, sagt Karl-Ulrich Köhler vom zweitgrößten europäischen Stahlhersteller Tata Stell.

Für die Branche bedeute das, dass sie im Vergleich zu anderen Wirtschaftsregionen ungenügend vor unfairen Importen geschützt ist. „Wir brauchen international wirksame Handelskontrollen. Solange andere Wirtschaftsräume wie die USA, Russland und auch China Handelsströme durch kurzfristige Eingriffe schnell umlenken können, können wir nicht einfach untätig sein.“

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