China
US-Manager ist Geisel in seinem Unternehmen

In China haben rund 80 aufgebrachte Arbeiter einen amerikanischen Unternehmer gekidnappt – seit vier Tagen werde er gefangen gehalten, berichten Medien. Die Arbeiter fordern Abfindungszahlungen und sind nicht zimperlich.
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PekingSeit Freitag wird in einer US-Fabrik in China der Mitgründer des Unternehmens von einigen seiner Mitarbeiter gefangen gehalten. „Nach zehn Jahren in China hätte ich mir niemals vorstellen können, das so etwas passiert“, sagte Unternehmer Chip Starnes dem „Wall Street Journal“.

Der Mitgründer der US-Firma Speciality Medical Supplies sprach mit der Zeitung durch ein Fenster der Fabrik, in der er gefangen gehalten wird. Rund 80 seiner 110 Mitarbeiter stellten sicher, dass er das Fabrikgelände in der Nähe der Hauptstadt Peking nicht verlassen konnte. Sie forderten Abfindungen, wie sie einigen anderen Mitarbeitern ausgezahlt wurden, deren Jobs nach Indien ausgelagert wurden.

„Was sie nicht verstehen ist, dass sie ihre Jobs gar nicht verlieren“, sagte Starnes der Zeitung „Wall Street Journal“. Einzig die Herstellung von Diabetes-Tests würde nach Indien ausgelagert, die Fabrik in China werde dennoch weitergeführt, und weiterhin würden dort über hundert Mitarbeiter gebraucht, versicherte Starnes.

Die Arbeiterinnen und Arbeiter wollten der Zeitung zufolge nicht mit Medien sprechen. Mitglieder der Behörden hätten den Ort des Geschehens besucht, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Die Polizei hätte außerdem sichergestellt, dass Verhandlungen stattfinden und Starnes mit Nahrung versorgt wird. Bilder der Nachrichtenagentur zeigten Mitarbeiter der US-Botschaft im Gespräch mit dem gefangenen Amerikaner.

Im Kampf um Abfindungen waren die Arbeiter seinen Angaben nach nicht zimperlich: Sie hätten ihn wie einen Kriegsgefangenen behandelt, mit lauten Geräuschen gestört und auf Schlafentzug gesetzt. Obwohl er den Grund für den Aufstand als Missverständnis bezeichnete, ordnete Starnes Zahlungen an die Mitarbeiter an – bis Dienstag sollen sie Überweisungen erhalten.

Michaël Jarjour
Michaël Jarjour
Handelsblatt / Freier Journalist

Kommentare zu " China: US-Manager ist Geisel in seinem Unternehmen"

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  • ...auf westliche christistliche Ausbeuter kann das Land auch gerne verzichten.

  • @Reisepanne: Sie haben offenbar nie gelernt, was Argumentation
    ist.
    Jedenfalls nicht so ein Geschwafel wie Ihres.

  • Die Chinesen sind bewundernswert.
    Wir Deutschen sind doch Duckmäuser, die sich gegeneinander ausspielen lassen.
    Hut ab ! China wird mir immer sympatischer.

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