China verklagt Ölkonzern wegen Lieferstopps
Neue Steuerforderungen belasten Yukos

Der Druck auf den wegen Milliarden-Steuernachforderungen angeschlagenen russischen Ölkonzern Yukos steigt weiter: Gestern reichten die russischen Steuerbehörden weitere Nachforderungen in Höhe von insgesamt elf Mrd. Dollar gegen den Konzern und seine wichtigste Fördertochter, Yuganskneftegaz (YNG), nach. Damit erhöht sich die Summe auf insgesamt 17,6 Mrd. Dollar, von denen Yukos in den vergangenen Monaten gerade 3,2 Mrd. Dollar abbezahlen konnte.

HB MOSKAU. Mit den neuen Steuernachforderungen – 6,7 Mrd. Dollar für das Jahr 2002 gegen Yukos sowie 3,3 Mrd. Dollar gegen YNG für 2001 und 2002 – rückt nach Ansicht von Analysten der Bankrott des Konzerns in unmittelbare Nähe. Auch die Zwangsversteigerung von YNG wird damit immer wahrscheinlicher – allerdings müsste die 30 Tage im Voraus von den Gerichtsvollziehern angekündigt werden.

Die Gerichtsvollzieher wollen nach Ansicht von Analysten bei einer Zwangsversteigerung von YNG mit einem Preis von rund vier Mrd. Dollar starten. Die Investmentbank J.P. Morgan hatte YNG, die 62 Prozent des Yukos-Erdöls fördert, in einer Untersuchung im Auftrag von Yukos mit 16 bis 22 Mrd. Dollar bewertet. Die Allianz-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein hatte zuvor im Auftrag des Justizministeriums einen Wert von 15,7 bis 18,3 Mrd. Dollar nach Abzug der Steuerschulden für 2000 und 2001 ermittelt.

Die Yukos-Aktien brachen wieder um zehn Prozent ein. „Ein Bankrott ist immer eine Option, aber wir haben noch keine Entscheidung getroffen“, sagte Yukos-Finanzvorstand Bruce Misamore. Es könne nicht weiter angehen, dass die Gerichtsvollzieher alle Einnahmen pfändeten.

Durch das Einfrieren aller Gelder kann Yukos seine Auftragnehmer nicht mehr bezahlen. Die weltweit wichtigste Erdölservice-Gesellschaft Schlumberger hatte bereits die Zusammenarbeit mit dem russischen Konzern eingestellt – Yukos wird deshalb sein Ölproduktionsziel für dieses Jahr verfehlen.

Der chinesische Ölkonzern CNPC will Yukos wegen der Engpässe bei den Lieferungen nach China verklagen. Das berichteten die Tageszeitungen „Beijing Youth Daily“ und „21st Century Business Herald“. Yukos hatte seinen Export von täglich 100 000 Barrel (je 159 Liter) Rohöl nach China im September eingestellt, weil der Konzern kein Geld mehr für die Eisenbahntransporte hat.

Der schwedische Botschafter in Russland, Sven Hirdman, drohte in einem Brief an Russlands Wirtschaftsminister German Gref mit Klagen schwedischer Investmentfonds gegen Russland, wenn YNG unter Wert und in einem nicht transparenten Verfahren verkauft werde. Schweden ist mit drei Mrd. Dollar einer der größten Portfolio-Investoren in Russland.

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