
PEKING. Der VW-Konzern will in China spätestens in vier Jahren Elektroautos herstellen und vertreiben. „Unser Ziel ist es, bis 2018 chinesischer Marktführer in der Elektromobiltät zu werden“, sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn am Freitag in Peking auf der dortigen Automesse. Er stellte zugleich eine Studie für den „E-Lavida“ vor, mit dem das deutsche Unternehmen den Markt für Batterieautos aufrollen will. Für die Weltausstellung Expo 2010, die in einer Woche in Shanghai startet, kündigte er zudem die Vorstellung einer Elektroversion des Golf an.
Im Juli will die chinesische Regierung ein Konzept zur Förderung des Elektroautos vorlegen. Innerhalb weniger Jahre soll dann in einem Dutzend ausgewählter Testregionen der Aufbau der Infrastruktur vorankommen. Dort wird es voraussichtlich flächendeckend öffentliche Ladestationen geben sowie Steckdosen in vielen Tiefgaragen. „Bisher sehen die konkreten Vorbereitungen jedoch eher dürftig aus“, sagte ein Branchenvertreter. Doch Peking werde das Konzept wohl eisern durchsetzen, schließlich bietet es Chancen für künftiges Wachstum und schafft einen Anlass für den Ausbau klimaneutraler Energiequellen.
Doch gleichgültig, wie die konkreten Pläne aussehen werden - Deutschland will dabei sein. „China ist weltweit der wichtigste Markt für uns“, so Winterkorn. In den kommenden drei Jahren wolle Volkswagen weit über vier Mrd. Euro in dieser Schlüsselregion investieren. „Lavida“ ist eine Marke, die das Unternehmen 2008 ausschließlich für das Reich der Mitte entwickelt hat – angepasst an den chinesischen Geschmack und nun mit dem "E-Lavida" auf elektrisch getrimmt. Von diesem Teil der Elektro-Innovation werden also voraussichtlich nur die Chinesen etwas haben. Der elektrische Golf dagegen hätte vermutlich auch international eine Chance – Winterkorn schwieg jedoch zu der globalen Seite der Elektro-Strategie.
Klar ist jedoch, dass das Unternehmen diese Autos in China herstellen wird. Beim angepeilten Einführungsdatum blieb der VW-Chef jedoch etwa vage. Im Jahr 2013 oder aber doch erst 2014 soll der E-Lavida erstmals vom Band rollen. Die Pläne der Konkurrenz klangen da am Freitag eindeutiger. Der Batteriespezialist BYD will schon in diesem Jahr ein erstes Elektroauto anbieten. In einem Gemeinschaftsprojekt mit Daimler soll im Jahr 2013 ein höherklassiges Modell am Markt sein. Die japanischen Anbieter Nissan und Mitsubishi schaffen den Einstieg in mehreren Märkten ebenfalls schon im laufenden Jahr und wollen in zwei Jahren den Vertrieb in China beginnen. Geely, der neue Besitzer der Marke Volvo, stellte ebenfalls zwei reine Elektroautos zur baldigen Markteinführung vor. Auch BMW will erste Elektroflitzer schon 2013 auf öffentlichen Straßen rollen sehen.
Chinas Automarkt soll in den kommenden Jahren rasant weiter wachsen – nach Expertenschätzungen im laufenden Jahr bis zu 20 Prozent, Mitte des Jahrzehnts immer noch gut über zehn Prozent. Der japanische Anbieter Nissan will bis 2012 auf eine Kapazität von 900 000 Stück kommen, VW setzt zusammen mit zwei Partnern jetzt schon 1,2 Mio. Stück ab, Luxushersteller BMW will im laufenden Jahr 120 000 Stück los werden, wogegen Daimler mit Verkaufsplänen von 100 000 Autos schon fast pessimistisch wirkt. Der Gesamtabsatz in China betrug in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres bereits drei Mio. Autos. Das Reich der Mitte hat die USA im vergangenen Jahr als weltweit größter Automarkt abgehängt.
VW ist etwas spät aufs Elektroauto gekommen. Noch vor wenigen Monaten sagten Unternehmensvertreter noch lässig, sie wollten erst auf den Aufbau der nötigen Infrastruktur warten. Nachdem Regierungen weltweit ihre Unterstützung sowohl für das Ladenetz und Subventionen für Elektroautos angekündigt hatten, setzt ein Umdenken ein. Die batteriegetriebenen Autos haben hohe Priorität erhalten - zumal der gerade der Wachstumsmarkt China nicht beim Benziner bleiben kann.
Die Klimaschutzziele würden sich bei ölgetriebener Motorisierung nicht einhalten lassen, die Abhängigkeit vom importierten Öl würde wachsen - und angesichts der hohen Zahl chinesischer Verbraucher würde sich das Ende der Rohstoffvorräte drastisch beschleunigen. Dazu kommt, dass die Luft in Chinas Städten jetzt schon unerträglich verpestet ist. Experten sind sich einig: China meint es mit dem Elektroauto bitter ernst. Das zeigt sich auch den Pekinger Automesse, auf der über 100 Elektroautos und Prototypen zu sehen waren.
Will China nicht "Uralttechnologien sprich konventionelle Verbrennungsmotoren" bauen, sondern auf modernste Hybrid- und E-Technologien switchen, müssen sie massiv handeln und in die Märkte rigeros eingreifen. Passiert es nicht, findet sich China in einer Masse von konventionellen Autofabriken wieder, die von Provinzfürsten geschützt werden. Diese Fabriken werden solange konventionelle Motoren bauen, wie der Chinese Geld haben wird, um benzin zu bezahlen. China würden so Milliarden Dollar in eine nicht mehr wettbewerbsfähige Technologie der Gegenwart "binden". Das mag dort für interesse sorgen, die im "jetzt" leben, kann aber die Gesellschaft nicht ins Morgen führen.
Die Führung weiss es, aber den lokalen Managementeliten ist das eigene Hemd näher, als das China in 15 Jahren. Solche innovationsschübe können nicht demokratisch gesteuert werden, sondern nur mittels Vorgaben, um den "Ruck" zu vollziehen. ist "der Ruck" in der Spur, können die Zügel wieder lockerer in Richtung Eigenverantwortung der Unternehmen gelassen werden.
Es ist äußerst spannend zu beobachten, wie sich die Dinge koordiniert entwickeln und welche Managementstile und politische Flankierungen zum Einsatz kommen.
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