Chinas Autokäufer
Wo der Porsche 911 als Frauenauto gilt

Chinesische Autokäufer wollen vor allem eines: So viel Eindruck wie möglich schinden. Warum Langversionen so beliebt sind und der Porsche 911 als Frauenauto gilt – ein Stimmungsbericht von der Automesse in Peking.
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PekingDas Auto ist ein Verkehrsmittel, das dazu dient, einigermaßen stilvoll von A nach B zu kommen. Oder? In China nicht unbedingt. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass die Autos dort mehr im Stau stehen als zu fahren. Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass praktisch der komplette Markt innerhalb von zehn Jahren entstanden ist. Vielleicht auch damit, dass selbst Käufer von Luxusautos oft unglaublich jung sind. Auf jeden Fall scheinen die Bedürfnisse in China nur wenig mit der Auto-Logik in anderen Ländern zu tun zu haben.

Das fängt mit der Länge der Autos an. Fast alle deutschen Oberklasse-Hersteller haben für China eine Langversion auf den Markt gebracht. Denn die bieten mehr Beinfreiheit im Fonds, wo der Kunde am liebsten Platz nimmt – schließlich fahren erfolgreiche Männer nicht selbst: Sie lassen fahren. „Die Kunden lieben es, hinten zu sitzen“, sagt Ian Robertson, Marketing-Vorstand bei BMW. „Anders gesagt, die Freude am Erfolg entspringt hier in den Momenten von Ankunft und Abfahrt.“

Wer es zu etwas gebracht hat im Leben, zeigt es so: Er fährt vor, und jemand öffnet ihm die Tür. Nach der Veranstaltung warten Wagen und Fahrer, und jemand schließt die Tür hinter dem wichtigen Mann.

Diese Haltung ist auch generell der Grund dafür, dass große, auffällige Autos viel besser laufen als kleine, praktische Wagen. Es kommt auf den Schaueffekt an. Außerdem sollen die edlen Fahrgäste sich nicht langweilen. Die Unterhaltungsausstattung für die Rücksitzpassagiere sei in den entsprechenden Modellen besonders üppig gestaltet, dazu kommen Spielereien wie durchweg elektronisch verstellbare Sitze.

Ebenfalls enorm wichtig: Glanz und Gloria. Praktisch alle Hersteller bieten mehr Chrom und mehr glänzende Oberflächen als auf dem europäischen Markt. „Was in Nordeuropa schon als übertrieben flashig erscheinen würde, gilt nach chinesischen Sehgewohnheiten noch als langweilig“, sagt ein Mitglied der Design-Abteilung bei einem deutschen Hersteller in China.

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