Chinas Automesse
Detroit ist tot, lang lebe Schanghai

Das Reich der Mitte soll es richten. In der Krise setzt die Autoindustrie auf der Schanghaier Motorshow auf den Wachstumsmarkt China. VW sieht sich dort auf der Überholspur, Audi und BMW sehen China rosarot und selbst der ums Überleben kämpfende US-Autobauer GM setzt auf steigende Absätze. Die will Daimler mit einem Kleinstwagen einfahren. Ganz klar: China ist Hoffnung.

HB SCHANGHAI. Optimismus pur, egal wohin man in Schanghai schaut - zumindest wenn es um Autoindustrie geht, die sich auf der Schanghaier Autoshow tummeln. Während das Gros der Autohersteller rund um den Globus in der Krise Federn lassen muss, soll das in der Volksrepublik anders aussehen. Egal ob Volkswagen, Audi, BMW, Daimler oder General Motors - auf Wachstum und steigende Marktanteile setzen alle.

VW-Chef Martin Winterkorn betont etwa, dass Volkswagen in China auf der "Überholspur" bleiben und seine Position ausbauen will. Auf der Automesse in Schanghai sagte er am Montag, dass der Konzern bis 2010 in dem Land 1,6 Mrd. Euro investieren wolle. VW-Chinachef Winfried Vahland sagte, mit einem Wachstum von sechs Prozent in den ersten drei Monaten liege man deutlich über den Erwartungen und sei deshalb für das Jahr 2009 vorsichtig optimistisch.

Winterkorn stellte in Schanghai den aktuellen Golf für den chinesischen Markt sowie eine chinesische Passat-Version vor. Er äußerte sich erfreut darüber, dass die Maßnahmen zur Ankurbelung des chinesischen Automarktes Erfolg hätten. Die Regierung hatte unter anderem die Steuern für den Kauf kleinerer Autos gesenkt. China entwickelt sich derzeit zum größten Markt von VW. 2008 verkaufte der Wolfsburger Konzern dort 1,02 Mio. Autos (plus 8,6 Prozent). Bis 2018 plant VW einen Verdoppelung des Absatzes im Reich der Mitte.

Gänz ähnlich wie bei VW fällt der Tenor bei der Konzerntochter Audi aus. Die Ingolstädter peilen in China ein kräftiges Wachstum an. Audi-Chef Rupert Stadler sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa am Montag in Schanghai, man wolle dort bis 2015 rund 200 000 Autos im Jahr verkaufen. Im vergangenen Jahr setzten die Ingolstädter als erfolgreichster deutscher Premiumhersteller rund 120 000 Fahrzeuge in China ab. Aktuell ist Audi nach Angaben von Stadler in China gut unterwegs. "Der März war mit über 11 800 verkauften Autos sensationell, auch der April dürfte ein hervorragender Monat werden", sagte er. Den China-Absatz von 2008 (120 000) will Audi in diesem Jahr auf jeden Fall toppen.

Stadler stellte auf der Automesse in Schanghai als Weltpremiere den überarbeiteten Geländewagen Q7 vor. Der kleinere Q5 wird ab Ende 2009 auch in China produziert und soll zu dem Wachstum beitragen, das derzeit vor allem von der speziellen Langversion des A4 getragen wird, der seit Jahresanfang in China angeboten wird.

Stadler blieb für Audi bei der Prognose, dass der Absatz der Audi AG nach dem Rekordjahr 2008 (etwas mehr als eine Million Autos) in diesem Jahr um etwa zehn Prozent zurückgehen werde. Entwarnung für die Automärkte wollte der Audi-Chef noch nicht geben, sagte aber: "Man hat das Gefühl, das Gröbste ist überstanden." China spiele das Zünglein an der Waage, um für den Aufschwung zu sorgen. "China geht es wie Audi - wir schwimmen gegen den Trend", umschrieb Stadler die im Vergleich zu anderen Autokonzernen relativ komfortable Lage von Audi.

 

Audi-Konkurrent BMW wurde in der Krise bislang arg durchgerüttelt und ist von der Überholspur abgekommen. Das soll nun vor allem in China wieder korrigiert werden. Der Münchner Autobauer setzt wie Audi in China auf eine stabile Entwicklung des Premiumsektors. 2009 sollen dort mehr Autos als im Vorjahr (75 000) verkauft werden, sagte Vertriebsvorstand Ian Robertson am Montag in Schanghai. Auf der Automesse in der chinesischen Metropole zeigte sich Robertson am Montag hinsichtlich der Entwicklung des weltweiten Automarktes zurückhaltend. Für Prognosen sei es noch zu früh, aber immerhin dürften die Programme zur Unterstützung der Automärkte einen gewissen positiven Effekt haben, auch für die Zulieferer.

BWM stellte in Schanghai als Weltpremiere die Zwölf-Zylinder-Version des 7er vor. China sei der wohl wichtigste Markt für Zwölf-Zylinder-Autos. Der Premiummarkt werde künftig in China stärker als im Rest der Welt wachsen, erwartet der BMW-Manager. Premiummodelle hätte dort bislang erst einen Anteil von fünf Prozent am gesamten Absatz. In Deutschland seien es 30 Prozent, verdeutlichte Robertson das Potenzial für hochwertige Autos.

Ein wichtiger Beleg für die Wachstumsstrategie von BMW in China: Der Autokonzern baut zusammen mit seinem lokalen Partner Brilliance ein zweites Werk in China. Mit dem Neubau solle die Produktionskapazität bis zur zweiten Jahreshälfte 2010 auf 75 000 bis 80 000 Autos ausgeweitet werden, sagte Brilliance-Manager Yufei Wan am Montag. Bislang produzieren die beiden in China jährlich 30 000 Wagen.

Daimler verkauft zwar deutlich weniger Autos in China als Audi oder BMW, die Erwartungen fallen aber ähnlich aus. Konzernchef Dieter Zetsche präsentierte in Schanghai aber auch die Luxusmodelle des Konzerns. Weil China inzwischen der wichtigste Markt für die S-Klasse sei, wurde die Modellerneuerung der S-Klasse sowie das erste Hybridmodell als Weltpremiere in China ausgestellt. Mit dem S 400 Hybrid bringe Daimler als erster Autokonzern die Lithium-Ionen-Batterie in einen Serien-Hybrid, sagte der Daimler-Vorstandschef.

Zetsche sagte, dass der März mit 5 000 verkauften Autos (plus 50 Prozent) der bislang erfolgreichste in China war. Im ersten Quartal verkaufte Mercedes-Benz mit 11 000 Autos rund 30 Prozent mehr als im Jahr davor.

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