Chinas Offensive
Vertreibung aus dem Autoparadies

Der chinesische Automarkt ist das Dorado für die deutschen Autokonzerne. Doch mit dem chinesischen Autobauer Qoros wächst ein Konkurrent heran, der dieses Jahr in seinem Heimatland massiv expandieren will.
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BochumEs gab eine Zeit, in der in China gerade einmal so viele Autos verkauft wurden wie in Holland. Zur Jahrtausendwende betrug der Anteil der Chinesen am Weltmarkt gerade einmal 1,3 Prozent. Seitdem vollzieht sich ein Aufstieg, der in der Automobilgeschichte beispiellos ist. 16,3 Millionen Autos wurden allein 2013 verkauft. Damit ist China nicht nur der wichtigste Automarkt der Welt, sondern der einzige Markt, in dem die deutschen Autokonzerne Volkswagen, Daimler und BMW ein signifikantes Wachstum vorweisen können.

Im Jahr 2025 - so prognostiziert es das CAR-Institut der Uni Duisburg-Essen - wird jeder dritte Neuwagen in China verkauft. Mit 35,7 Millionen verkauften Fahrzeugen wäre der Absatz mehr als doppelt so hoch wie heute. Bisher sind es vor allem die ausländischen Konzerne, die von diesem Wachstum profitieren. Volkswagen verkaufte 2013 in China 3,27 Millionen Autos, mehr als jeder Hersteller. Doch nun soll die Dominanz der ausländischen Autobauer langsam gebrochen werden – mit deutscher Hilfe.

Unter der Führung des ehemaligen VW-Managers Volker Steinwascher wird in China eine neue Automarke geboren, die nicht mehr viel mit den oft rückständigen chinesischen Modellen der Vergangenheit zu tun hat. Hinter Qoros stehen der chinesische Autohersteller Chery und die Israel Corporation. 2,5 Milliarden Dollar haben die beiden Unternehmen seit dem Jahr 2007 in die Entwicklung des neuen Unternehmens investiert.

Schon beim Namen haben die Marketingstrategen versucht, sich von der bisherigen Billigstrategie abzuheben. Qoros soll für Qualität stehen, sagt Steinwäscher. Die Entwicklungsarbeit kommt vorwiegend aus Europa: 400 Experten aus mehr als zehn Ländern hat Qoros eingekauft. Sie kommen von VW, BMW, Jaguar, Volvo, Saab, General Motors und Fiat.

„Wir bauen keine chinesischen Autos“, sagt der ehemalige VW-Manager Steinwascher. Zunächst einmal baut man darum das Händlernetz in China aus. Derzeit verkaufen 22 Händler Qoros-Modelle, Ende des Jahres sollen es 100 bis 130 sein. Vom Marktführer Volkswagen, der etwa 1000 eigene Händler in China hat, wäre man damit immer noch weit entfernt. Doch die Qoros-Manager haben großes Vertrauen, dass auch der Absatz anziehen wird. So wolle man erst in China erfolgreich sein – dann in der ganzen Welt.

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