Chinesische Autobauer
Dritte Welle

Bei der Eroberung internationaler Märkte erzielen chinesische Autohersteller erste Erfolge: Der Absatz im Ausland steigt rasant. Nach den Japanern in den Achtzigerjahren und den Südkoreanern ein gutes Jahrzehnt später soll jetzt die dritte asiatische Welle auf den Westen zurollen.
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DÜSSELDORF. Niemand kann Wang Haoliang mangelndes Selbstbewusstsein vorwerfen. "Die japanischen Autohersteller brauchten 30 Jahre, bis sie begannen, ihre Autos im Ausland zu verkaufen", sagt der Vorstandschef des chinesischen Autoproduzenten Nanjing Automobile Corporation (NAC). "Bei den Koreanern dauerte es 20 Jahre - bei uns wird es sehr viel schneller gehen." NAC in Nanjing in der Nähe von Shanghai ist Chinas ältester Autohersteller und gleichzeitig einer der kleinsten des Landes. Bisher produzierte das Unternehmen hautsächlich Busse und Lkws. In Kooperation mit dem italienischen Fiat-Konzern bauen die Chinesen außerdem jedes Jahr einige Tausend Kleinwagen für den heimischen Markt.

Doch Wang will mehr, ihn zieht es nach Europa und in die USA. Um die Expansion zu beschleunigen, hat der Chinese vor zwei Jahren die angeschlagene britische Sportwagenmarke MG samt einer Produktionsanlage in Longbridge bei Birmingham gekauft. Von kommendem Monat an baut NAC dort den Sportwagen MG TF. Im kommenden Jahr sollen 25 000 Autos von den Bändern laufen. "Wir glauben, dass wir mit der Liebe und Hingabe, die wir hier investieren, das Projekt rasch zum Laufen kriegen", verspricht NAC-Großbritannien-Chef Wang Hongbiao.

Die Expansionsstrategien der Autohersteller aus dem Reich der Mitte mögen sich unterscheiden. Unternehmen wie die Kleinwagenhersteller Chery und Geely bauen zusammen mit ausländischen Herstellern Autos, arbeiten aber auch an der Entwicklung eigener Modelle. NAC versucht es dagegen mit einer europäischen Traditionsmarke.

Doch das Ziel ist bei allen Unternehmen das gleiche: Nachdem sie den westlichen Autoherstellern in den vergangenen Jahren auf dem chinesischen Heimatmarkt in großem Stil Marktanteile abjagen konnten, wollen sie ihre Pkws nun auf den etablierten Märkten Europas und den USA verkaufen. Nach den Japanern in den Achtzigerjahren und den Südkoreanern ein gutes Jahrzehnt später soll jetzt die dritte asiatische Welle auf den Westen zurollen.

Die jüngsten Erfolge der chinesischen Hersteller können sich durchaus sehen lassen. 2005 überstiegen ihre Exporte erstmals die Importe. Zwar sind die Hersteller aus dem Reich der Mitte im Ausland bisher vor allem mit Nutzfahrzeugen erfolgreich. Doch die größten Zuwächse im internationalen Geschäft erzielen seit zwei Jahren die Pkw-Produzenten. Insgesamt mehr als 90 000 Autos exportierten chinesische Unternehmen im vergangenen Jahr. Das sind zwar nur rund 2,5 Prozent der Fahrzeuge, die deutsche Hersteller 2006 jenseits der Grenzen verkauften. Gegenüber dem Vorjahr ist das aber ein Anstieg von fast 200 Prozent. Verkaufsschlager sind vor allem Kleinwagen der Ein- bis Eineinhalb-Liter-Klasse.

Derzeit verkaufen die Chinesen ihre Autos vor allem in den Schwellenländern des Nahen Ostens, Südamerikas und Osteuropas. Gut 38 000 Pkws verkauften die Chinesen dort im vergangenen Jahr, drei Mal so viel wie im Jahr zuvor. An zweiter Stelle folgt der Iran mit gut 10 000 verkauften Autos im Jahr 2006, gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 133 Prozent.

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