Industrie

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Chinesischer Solarriese: Suntech-Tochter meldet Insolvenz an

Eine wichtige Tochter von Suntech, eines der weltgrößten Solarunternehmen, hat Insolvenz angemeldet. Die Lage des Gesamtkonzerns sieht schlecht aus. Hoffenheim zeigt sich überrascht über die Meldung vom Trikotsponsor.

Der Bundesligaverein Hoffenheim könnte bald seinen Trikotsponsor verlieren: Um die chinesische Solarfirma Suntech steht es nicht gut. Quelle: dpa
Der Bundesligaverein Hoffenheim könnte bald seinen Trikotsponsor verlieren: Um die chinesische Solarfirma Suntech steht es nicht gut. Quelle: dpa

DüsseldorfDie Lage des nach Produktionskapazität fünftgrößten Solarunternehmens der Welt spitzt sich zu. Eine Tochter der chinesischen Suntech, Wuxi Suntech, hat Insolvenz angemeldet. Erst am Montag musste das chinesische Mutterunternehmen zugeben, dass es seine Schulden momentan nicht bedienen kann, nachdem es in Zahlungsverzug bei fälligen Anleihen in Höhe von mehr als 418 Millionen Euro gekommen war.

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Suntech ist in Deutschland bekannt durch das Sponsoring-Engagement beim Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Der Verein zeigte sich von der Meldung überrascht. „Wir befinden uns im engen Austausch mit unseren direkten Ansprechpartnern bei Suntech und sind dabei, verlässliche Informationen einzuholen“, teilte ein Sprecher Handelsblatt Online mit.

Die Chinesen sind seit Sommer 2011 Haupt- und Trikotsponsor beim abstiegsbedrohten Klub aus dem Kraichgau. Der Vertrag läuft bis zum Sommer 2014. Zum Start der Rückrunde hatte Suntech sein Engagement allerdings reduziert und wird nun nur noch als Trikotsponsor geführt. Werbeplätze im Stadion von Hoffenheim hatte SAP übernommen, was Spekulationen über einen Einstieg des Software-Riesens als Hauptsponsor nährte.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

  • 13. Dezember 2011

    Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

  • 21. Dezember 2011

    Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

  • 3. April 2012

    Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

  • 17. April 2012

    Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

  • 25. Juni 2012

    Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

  • 10. Juli 2012

    Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

  • 21. August 2012

    Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

  • 6. September 2012

    Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

  • 18. Oktober 2012

    Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

  • 23. Januar 2013

    Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

  • 24. Januar 2013

    Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

  • 5.Juli 2013

    Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua hatte zunächst verbreitet, dass Suntech selbst Insolvenz angemeldet hat, auch in Deutschland übernahmen Nachrichtenagenturen die Meldung. Die Aktie von Suntech Power brach zeitweise um fast 40 Prozent ein.

Laut der am Mittwoch veröffentlichten Unternehmensmitteilung hatten acht Banken jedoch bereits am Montag nur einen Insolvenzantrag für Wuxi Suntech, eine der Photovoltaik-Töchter von Suntech, beim zuständigen Gericht in Wuxi in der chinesischen Provinz Jiangsu eingereicht. Das Unternehmen ist die wichtigste Tochter von Suntech und produziert Photovoltaikzellen und -module. Der Mutterkonzern Suntech Power verfügt jedoch noch über weitere Produktionstöchter in China, die anstelle von Wuxi Suntech die Bestellungen erfüllen sollen, sobald das Insolvenzverfahren vom Gericht genehmigt worden ist, heißt es in der Mitteilung. Währenddessen will Suntech-Chef David King eine Umstrukturierung des Konzerns und „strategische Alternativen“ prüfen.

Wo in Deutschland der meiste Solarstrom produziert wird

  • Platz 1

    Absoluter Spitzenreiter in Sachen Solarenergie ist Bayern: Mit 9422 Megawatt Nennleistung stehen fast 30 Prozent der gesamten deutschen Nennleistung der Solarenergie in dem südlichen Bundesland. Bayern ist jedoch mit 5.257 Megawatt Nennleistung auch führend in Sachen Kernenergie. Zwei der vier Atomkraftwerke gehören Eon, die anderen beiden RWE.

  • Platz 2

    Den zweiten Platz bei der Solarenergie belegt Baden-Württemberg. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 4.286 Megawatt Strom erzeugen, das entspricht einem Anteil von 13 Prozent an der gesamten in Deutschland installierten Leistung im Bereich Solar. Ganz weit vorne liegt das Bundesland bei den Pumpspeicherkraftwerken: In Baden-Württemberg stehen Anlagen mit einer Nennleistung von 1.873 Megawatt.

  • Platz 3

    Platz 3 der Bundesländer mit den meisten Solaranlagen belegt mit 3.569 Megawatt Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland ist jedoch auch Spitzenreiter bei der klimaschädlichen Braunkohle: Fast die Hälfte der deutschen Gesamtleistung produzieren die Kraftwerke dort.

  • Platz 4

    Den vierten Platz im Ranking der Bundesländer belegt Niedersachsen mit 3.043 Megawatt installierter Leistung. Absolute Spitze ist das Land jedoch in Sachen Windkraft an Land: Fast ein Viertel der installierten Leistung in Deutschland steht dort.  

  • Platz 5

    Brandenburg führt die Gruppe der Ostländer an und belegt den fünften Platz im Ranking: 2.629 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

  • Platz 6

    Den sechsten Platz bei der Solarenergie belegt Hessen. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 1.591 Megawatt Strom erzeugen.

  • Platz 7

    Rheinland-Pfalz belegt den siebten Platz im Ranking: 1.471 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

  • Platz 8

    Solaranlagen mit 1.433 Megawatt Nennleistung stehen in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Wind stellt die Sonne den wichtigsten Energieträger für das Land dar.

  • Platz 9

    1.318 Megawatt Solarstrom könnten in Sachsen bei voller Auslastung produziert werden. Hauptstromlieferant ist jedoch die Braunkohle – fast die Hälfte der installierten Nennleistung in dem Bundesland geht auf diesen Energieträger zurück.

  • Platz 10

    Schleswig-Holstein belegt den siebten Platz im Ranking: 1.283 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Suntech Power, der Mutterkonzern von Wuxi Suntech, betonte in der Pressemitteilung, dass weder Suntech Power selbst, noch weitere Töchter Insolvenzverfahren eingeleitet hätten und das Unternehmen auch nichts von Plänen in diese Richtung wisse.

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