Chipbranche
Infineon schreckt Anleger mit Prognose

Das Geschäft beim deutschen Chipbauer Infineon läuft trotz der Schuldenkrise rund. Doch Infineon-Chef Peter Bauer sorgt mit zurückhaltenden Äußerungen über den Konjunkturverlauf für Sorgen unter den Anlegern.
  • 0

MünchenTrotz insgesamt rund laufender Geschäfte agierten einige Abnehmerbranchen zögerlicher, sagte der Chef des bayerischen Chipkonzerns der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagausgabe). Börsianer reagierten empfindlich: Die Infineon-Aktie stürzte im frühen Handel knapp fünf Prozent ab und war in einem schwächeren Marktumfeld einer der größten Verlierer im Dax. Vor allem Bauers Erwägungen, Investitionen zurückzufahren, wurden am Kapitalmarkt als Menetekel gedeutet. Diese Aussagen dämpften die Erwartungen etwas und das komme nicht besonders gut an, sagte ein Händler.

„Bei den Kapazitätsinvestitionen könnten wir, je nach Konjunktur- und Marktlage, Vorhaben verschieben“, sagte der Infineon-Chef. Infineon peilt in diesem Jahr an, 850 Millionen Euro in seine Werke zu stecken. Die Unsicherheiten in den Planungen nähmen zu. „In eine Nebelbank fahren wir nicht mit Vollgas.“ Bisher gebe es Anzeichen dafür, dass in der Unterhaltungselektronikbranche um dem PC-Sektor die Vorsicht wachse. „Die Gesamtlage ist jedoch nach wie vor gut, unsere Bestände sind noch eher zu niedrig“, beschwichtigte Bauer. Die Nachfrage nach Chips reiße keineswegs abrupt ab. „Ich sehe keine Panikreaktionen bei unseren Kunden“, sagte Bauer.

Er betonte jedoch, auch Infineon sei gegen Konjunkturzyklen nicht immun. „Wir können doch die Augen vor der gesamtwirtschaftlichen Lage nicht verschließen“, sagte er. „Zu viele Leerkapazitäten wären einfach nicht gut.“ Der Vorstandschef rechnet eher mit einer konjunkturellen Abkühlung als mit einem Einbruch. „Der Scheitelpunkt im Markt ist erst einmal überschritten.“ Zuletzt hatte sich die Marktlage für die Chiphersteller, die ihre Fabriken in den vergangenen Quartalen stark ausgebaut hatten, verdüstert. So stutzte der Marktforscher Gartner seine Prognose für das laufende und kommende Jahr zurück und rechnet 2011 gar mit einem stagnierenden Chipumsatz weltweit.

Im Vergleich zur Konkurrenz will Infineon gleichwohl die Nase vorne behalten was das Wachstumstempo betrifft. „Wir wollen mittelfristig stärker wachsen als der Gesamtmarkt“, sagte Bauer. „Der Umsatz soll im normalen konjunkturellen Umfeld um mindestens zehn Prozent zulegen, über den gesamten Zyklus streben wir im Schnitt 15 Prozent operative Marge an.“ Er betonte, sein Haus sei längst nicht mehr so anfällig für die gefürchteten Zyklen der Halbleiterbranche wie noch vor wenigen Jahren.

Unterstützung bekam Bauer von DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer. „Infineon ist insgesamt für eine Abschwächung gut gerüstet, denn die Gesellschaft ist finanziell sehr solide aufgestellt und dürfte Schwächephasen gut überstehen“, urteilte der Experte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Chipbranche: Infineon schreckt Anleger mit Prognose"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%