Industrie
Chronik der Airbus-Krise

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat personelle Konsequenzen aus der Krise durch die Lieferverzögerungen beim Prestigeobjekt A380 der Tochter Airbus gezogen. Wie es zur Krise kam.

25. JUNI 2005: Nach einem langen Machtkampf werden der Franzose Noel Forgeard und der Deutsche Tom Enders an die Spitze von EADS berufen. Forgeard war zuvor Airbus-Chef und hatte die alleinige Führung von EADS für sich beansprucht. Er scheiterte an Großaktionär DaimlerChrysler. Enders war Chef der Sparte Defence and Security.

MITTE MÄRZ 2006: Forgeard übt millionenschwere Aktienoptionen aus. Seine Kinder ebenfalls. Enders nicht.

5. APRIL 2006: Die Großaktionäre DaimlerChrysler und Lagardere geben bekannt, ihre EADS-Anteile um jeweils 7,5 Prozent zu reduzieren. DaimlerChrysler hält danach 22,5 Prozent, Lagardere 7,5 Prozent. Aus steuerlichen Gründen werden die Geschäfte aber nicht mehr in diesem Jahr abgewickelt. Der französische Staat lässt seinen Anteil von 15 Prozent unverändert.

12. APRIL 2006: DaimlerChrysler gibt bekannt, die Reduzierung seines Anteil auf 15 Prozent zu erwägen. Für Lagardere ist ein weiterer Abbau ebenfalls denkbar.

13. JUNI 2006: Airbus gibt nach Börsenschluss bekannt, dass sich die Auslieferung des Prestigeobjekts A380 wegen Problemen mit der Elektronik erneut um sechs bis sieben Monate verschiebt. 2007 sollen nur neun anstatt der geplanten 20 bis 25 Flugzeuge ausgeliefert werden. Die weitere Verzögerung des insgesamt zwölf Mrd. Euro teuren Projekts belastet EADS mit insgesamt zwei Mrd. Euro.

14. JUNI 2006: Die EADS-Aktie bricht nach der Ankündigung vom Vorabend in der Spitze um mehr als 30 Prozent auf zeitweise unter 17 Euro ein. Fast sieben Mrd. Euro an Börsenwert werden vernichtet.

16. JUNI 2006: Forgeard äußert sich in mehreren Interviews zu den Problemen. Einen Rücktritt lehnt er ab. Von den Problemen beim A380 habe er erst im April erfahren. Sowohl die französische Finanzaufsicht AMF als auch die deutsche BaFin kündigen Untersuchungen an.

18. JUNI 2006: Enders meldet sich erstmals zu Wort. Er strebt als Konsequenz aus der Krise nicht nur Änderungen bei Airbus sondern auch bei EADS an. Seine Aktienoptionen habe er im März nicht ausgeübt, weil es ihm zum damaligen Zeitpunkt nicht opportun erschien.

20. JUNI 2006: Die Flugzeugleasingfirma ILFC droht mit der Stornierung milliardenschwerer Airbus-Aufträge. Im französischen Parlament kommt es wegen der EADS-Krise zu einem Eklat.

23. JUNI 2006: Zwei mit der Situation vertrauten Personen zufolge wird die Abschaffung der Doppelspitze bei EADS diskutiert. Dem Szenario zufolge würde der Deutsche Enders alleiniger Vorstandschef, Frankreich würde den Chef des Verwaltungsrates und von Airbus stellen. Über die Zukunft von Forgeard wird nichts bekannt.

25. JUNI 2006: Frankreichs Finanzminister Thierry Breton kündigt eine Lösung der Krise binnen 72 Stunden an.

26. JUNI 2006: In einem Fernsehinterview stellt Frankreichs Präsident Jacques Chirac die Managementstrukturen in Frage. Er macht deutlich, dass sein ehemaliger Berater Forgeard nicht auf seine Rückendeckung zählen kann, sollte er von den Airbus-Problemen vor der Ausübung seiner Aktienoptionen gewusst haben. Zuvor hatte Breton die Suche nach einer Lösung in die Hände der industriellen Anteilseigner Lagardere und DaimlerChrysler gegeben.

27. JUNI 2006: Die französische Börsenaufsicht AMF durchsucht die EADS-Zentrale in Paris. Die französische Tageszeitung „Le Monde“ veröffentlicht das Protokoll eines EADS-Führungstreffens vom 12. Mai. Darin ist bereits die Rede von weiteren Lieferverzögerungen beim A380. Zudem würden die ersten Maschinen mit Verlust gebaut.

28. JUNI 2006: Forgeard sagt vor dem Finanzausschuss des französischen Parlaments aus. Einen Rücktritt lehnt er nach Aussagen des Vorsitzenden, Pierre Mehaignerie, erneut ab.

29. Juni 2006: EADS stellt wegen der Veröffentlichung des Protokolls in „Le Monde“ Strafanzeige gegen unbekannt. Zudem ordnet der Konzern eine interne Untersuchung an. Unterdessen drängt EADS-Anteilseigner DaimlerChrysler zur Lösung der EADS-Krise auf Veränderungen bei dem deutsch-französischen Konzern.

02. JULI 2006: Forgeard und Airbus-Chef Humbert treten zurück. Nachfolger als Co-Chef an der Doppelspitze mit Enders wird der Chef der französischen Bahn, Louis Gallois, wie der Konzern mitteilte. Neuer Chef des europäischen Flugzeugbauers wird Christian Streiff. Airbus soll künftig zudem enger in den EADS-Konzern integriert werden.

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