Chronik: Der Niedergang der britischen Stahlindustrie

Chronik
Der Niedergang der britischen Stahlindustrie

Nach einem langen Bieterkampf übernimmt der indische Stahlkonzern Tata das britisch-holländische Unternehmen Corus. Der Kauf besiegelt den Niedergang der britischen Stahlindustrie. Eine Chronik.

Die Anfänge: Die Metallindustrie war dank technischer Pioniertaten eine der treibenden Kräfte der Industrialisierung in Großbritannien. Bis weit ins 20. Jahrhundert spielte sich die Stahlproduktion in kleinen Einheiten ab. Allein im Ebbw Vale in Wales gab es 1945 noch fünfzig Stahlwerke. Im Ersten Weltkrieg erlangte die Branche große Bedeutung für die Kriegsproduktion.

In Staatshand: Im Zweiten Weltkrieg steuerte der Staat die Stahlproduktion. Auch danach blieb die zentrale Steuerung erhalten, und die Konsolidierung beschleunigte sich. 1967 fasste die Regierung 14 Stahlfirmen und damit 90 Prozent der Produktion unter dem Dach von British Steel zusammen. 268 500 Menschen arbeiteten in einer der größten Stahlfirmen der Welt.

Sanierung und Privatisierung: British Steel schloss veraltete, kleine Stahlwerke und konzentrierte die Produktion auf fünf Standorte. Doch die Sanierung stieß auf heftigen Widerstand: Die Arbeiter wehrten sich 1980 in einem 13-wöchigen Streik – letztlich erfolglos. Ende der 80er-Jahre war der Konzern wieder profitabel, doch die Belegschaft auf weniger als die Hälfte geschrumpft. 1988 privatisierte die Regierung Thatcher British Steel.

Die Corus-Jahre: 1999 fusionierte British Steel mit der niederländischen Hoogovens zu Corus. Die Hoffnungen waren groß, doch die Realität ernüchternd. Drei Jahre und drei Vorstandschefs später stand der Konzern am Abgrund. Eine Fusion mit der brasilianischen CSN scheiterte. Doch unter der Führung Philippe Varins und mit den Kosten weiteren Stellenabbaus kam Corus auf die Beine. Der Aktienkurs verzehnfachte sich.

Die Partnersuche: Vor mehr als einem Jahr begannen Varin und Chairman Jim Leng mit der Suche nach einem Partner aus einem Schwellenland. Sie suchten Zugang zu Eisenerz, Rohstahl und neuen Märkten. Doch sie fanden schnell heraus, dass Corus nur Junior-Partner sein würde. Vor allem die britischen Werke sind im globalen Maßstab einfach nicht wettbewerbsfähig genug.

Die Zukunft: 24 000 Menschen beschäftigt Corus heute noch an vier Standorten in Großbritannien. Das ist gut die Hälfte der Konzernbelegschaft. Varin versicherte am Mittwoch, dass im Zusammenhang mit dem Verkauf an Tata Steel keine Werksschließungen geplant seien. Eine Job-Garantie lehnte er jedoch auch ab. „Das beste, was wir für unsere Mitarbeiter tun können, ist doch, sie in ein starkes globales Unternehmen einzubringen“, sagt er. Doch Gewerkschafter befürchten, dass die britische Stahlproduktion nun auf die Veredelung zu hochwertigen Produkten zusammenschmilzt.

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