Chrysler-Fabrik in Newark
Gescheiterter Traum

Die Chrysler-Fabrik im 30 000-Einwohner-Städchen Newark steht vor der Schließung. Hier produziert die US-Tochter des deutsch-amerikanischen Autobauers den Dodge Durango, einen bulligen Geländewagen wie ihn die Amerikaner einst liebten. Doch das ist Geschichte. Newark ist mittlerweile ein Paradebeispiel für die Fehler der US-Autoindustrie.
  • 0

NEW YORK. Noch steigt weißer Rauch aus den silbernen Schornsteinen Fabrik im US-Bundesstaat Delaware und löst sich in dem knochentrockenen Winterwind in Nichts auf. Gabelstapler laden Paletten mit Autoteilen aus den Güterwagons auf dem Bahnhof nebenan. Transportbänder schieben blecherne Skelette durch die Hallen, an denen Arbeiter und Roboter schweißen, schrauben und kleben, bis daraus Autos entstehen. Noch verlassen am Nachmittag schwere Transporter mit Neuwagen das Gelände.

Schon bald wird alles anders sein. Die rund 2 100 Menschen müssen sich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen. Newark wird bis 2009 geschlossen. Denn Chrysler muss sparen, will die US-Sparte des deutsch-amerikanischen Autokonzerns aus den roten Zahlen kommen.

Das Werk hat schon oft auf der Kippe gestanden, die Nachteile des Standorts sind zu offensichtlich. Die Chrysler-Montagefabrik in Newark spiegelt nicht nur die Probleme der drei großen US-Autohersteller wider. Sie steht auch für die wechselhafte Geschichte der schwer angeschlagenen Branche – und für die Versäumnisse und Fehleinschätzungen des Managements.

Ursprünglich war das Werk Newark eine Panzerfabrik. Von Anfang bis Mitte der Fünfzigerjahre produzierte Chrysler hier den Patton-Tank für den Korea-Krieg. Die Nähe zu den Seehäfen am Delaware River erleichterte den Abtransport der Kriegsungetüme, das Stahlrevier von Pennsylvania lag in guter Distanz. Nach dem Ende des Korea-Konflikts stellte Chrysler die Fabrik auf Autos um. Damit verschwanden die Standortvorteile. Heute müssen rund 80 Prozent der Teile auf langen Wegen aus Ohio und Michigan herbeigeschafft werden, sagt Chrysler-Veteran Jim Wolfe, "nur zehn Prozent kommen aus der Region".

Wolfe muss es wissen. Von 1992 bis zu seiner Pensionierung Ende 2003 war er der Chef in Newark. Zu rührig, um nur noch Fischen und Golfen zu gehen, arbeitet er heute als Präsident des Delaware State Chamber of Commerce, einer Art Handelskammer des US-Bundesstaates. "Sie haben meine Frau gefragt, ob sie mich wirklich die ganze Zeit zu Hause haben möchte", sagt er. In einer Ecke seines Büros hängt ein großes Foto des Dodge Durango, voller Unterschriften und guten Wünschen für den Ruhestand. "Hier ist Dieter", sagt Wolfe stolz, "und hier Tom und hier Wolfgang."

Seite 1:

Gescheiterter Traum

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Chrysler-Fabrik in Newark: Gescheiterter Traum"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%