Chrysler profitiert von neuen Modellen und hält sich bei Preiszugeständnissen zurück
GM und Ford können die Finger nicht von den Rabatten lassen

Die Autoriesen General Motors und Ford stocken ihre Verkaufsanreize wieder auf und läuten damit eine neue Runde im Preiskampf auf dem US-Markt ein. Noch im Juni hatten sie versucht, den heißen Preiskrieg etwas abzukühlen, doch die Umsätze fielen zweistellig. Nun heben sie für viele Modelle den Barnachlass von 4 000 auf 5 000 Dollar an und bieten trotz der Erhöhung des Leitzinses durch die US-Notenbank weiter zinslose Finanzierungen.

je PORTLAND. Gleichwohl stauen sich bei den Händlern die unverkauften Fahrzeuge und Analysten gehen davon aus, dass GM, Ford und Chrysler zusätzlich zur zweiwöchigen Sommerpause die Produktion im Herbst kürzen müssen. Das würde sich auf die Ergebnisse auswirken, weil die Autofirmen – ebenso wie in Deutschland – den Umsatz buchen, wenn sie die Autos an die Händler liefern.

Die Chrysler Group, die US-Tochter der Daimler-Chrysler AG, die zeitweilig die höchsten Nachlässe bot, hält sich bei der jüngsten Verschärfung des Preiskrieges auffallend zurück. Der drittgrößte US-Hersteller hat Ford und GM im Juni Marktanteile abgenommen, obwohl er seine Rabatte gegenüber dem Vorjahr sogar leicht reduzierte. „Chrysler glänzt“, schreibt Analyst Stephen Girsky von Morgan Stanley. Das Unternehmen profitiert derzeit von der hohen Nachfrage nach den Anfang des Jahres auf den Markt gebrachten neuen Modellen. Wie lange sie den Hersteller vor zusätzlichen Preisnachlässen schützen, steht dahin: „Die Begeisterung über neue Modelle hält immer kürzere Zeit an“, beobachtet David Lucas von der Marktforschungsfirma Autodata.

Analysten gehen davon aus, dass sich der Wettbewerb auf dem US-Automarkt weiter verschärfen wird. Steigende Zinsen, schwächelnder Aufschwung und die Sorge über hohe Benzinpreise drücken auf die Nachfrage. „Solche Trends haben psychologische Auswirkungen auf Autokäufer, auch wenn sie im Einzelfall nur gering betroffen sind“, sagt Jane Liu, Chef-Statistikerin des Automarkt-Informationsdienstes Edmunds.com. Vor allem die Nachfrage nach benzindurstigen großen Fahrzeugen ist stark zurückgegangen. Laut Edmunds.com wurden große Freizeitautos, so genannte Sport Utility Vehicles, im Juni durchschnittlich 22 Prozent billiger verkauft, als von den Herstellern empfohlen.

Autokäufer achten mehr auf den Benzinverbrauch

Trotz Preissenkungen und hoher Stückzahlen, die an Flottenbetreiber wie Autovermietungen losgeschlagen wurden, stauen sich bei den Vertragshändlern der US-Hersteller die unverkauften Fahrzeuge. Bei GM sind es mittlerweile mehr als 1,3 Millionen, bei Ford fast eine Million und bei Chrysler gut 600 000. Alle Hersteller verzeichneten in den vergangenen Wochen insgesamt wachsende Bestände, weshalb zunehmend auch asiatische und europäische Hersteller bei absatzschwachen Modellen mit Anreizen nachhelfen – allerdings meist in Form subventionierter Finanzierung und nur selten als Barrabatte.

Vor allem für GM und Ford rächt sich, dass sie sich im Vertrauen auf fortwährend billigen Treibstoff eine Art Rüstungswettlauf zu immer größeren Fahrzeugen lieferten und den PKW-Markt Japanern und Europäern überließen. Waren 1983 noch drei von vier Neuwagen in den USA Personenautos, fiel ihr Anteil im vergangenen Jahr auf 45,7 Prozent. Chrysler verkaufte in der ersten Hälfte 2004 nur knapp 252 000 Pkw, aber 885 000 SUV, Minivans und Pickups. Bei Ford machen PKW weniger als ein Drittel des Absatzes aus, bei GM ist es deutlich weniger als die Hälfte. Ihre Dominanz bei PKW verhalf den asiatischen Marken mittlerweile zu einem Anteil von 34,5 Prozent am Gesamtmarkt; fast jeder zweite neue Personenwagen, der in den USA verkauft wird, kommt von einer japanischen Firma.

Während Umfragen unter Händlern zeigen, dass Benzinverbrauch für Autokäufer heute einen höheren Stellenwert hat als vor einem Jahr, finden sich in den Ranglisten der sparsamsten Autos fast nur Namen wie Toyota, Honda und Volkswagen. Toyota und Honda haben lange Wartelisten für ihre Hybridfahrzeuge, Händler verlangen Aufpreise und bei VW sind Dieselmodelle ein Lichtblick in der ansonsten düsteren Absatzstatistik. Während laut Edmunds der Toyota Scion im Schnitt innerhalb von 16 Tagen und der Mini von BMW binnen 23 Tagen verkauft werden, stehen große SUV von GM und Ford teilweise länger als fünf Monate bei den Händlern.

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