Chrysler stützt Autobauer
Italien kämpft um Fiat als nationales Erbe

Die schwachen Geschäfte in Europa konnten das Ergebnis nicht verhageln: Fiat steigert seinen Überschuss binnen Jahresfrist um mehr als 80 Prozent. Wieder einmal rettet die US-Tochter den Konzern.
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MailandWas wäre, wenn VW nach der Übernahme von Seat in Richtung Spanien abgewandert wäre? Oder BMW nach dem Zukauf von Mini nach Großbritannien? Undenkbar. Doch was ist mit Fiat nach der Fusion mit Chrysler? Siedelt der italienische Konzern nach Amerika über? Mitten in einer der heftigsten Absatzkrisen aller Zeiten auf dem europäischen Automarkt erscheint das gar nicht so abwegig. Italien fürchtet, seinen größten Industriekonzern zu verlieren.

„Fiat bleibt in Italien.“ Es schwingt Trotz mit, wenn Flavio Zanonato diese Formel gebetsmühlenartig wiederholt. Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung will seinen Landsleuten die Sorge nehmen, dass Fiat in Zukunft aus der Stadt Auburn Hills bei Detroit gesteuert wird, dem Sitz von Chrysler. Fiat müsse als „nationales Erbe“ verteidigt werden, sagt der Minister. „Wenn wir diese Herausforderung verlieren, wird das Land geschwächt.“

Italien und Fiat - das gehört für die meisten Menschen einfach zusammen. Unklar ist, ob auch Konzernchef Sergio Marchionne zu diesen Menschen gehört. Der Manager mit italienisch-kanadischen Wurzeln wird im Land geschätzt, weil er Fiat wieder in die Spur gebracht hat. Gleichzeitig fürchten seine Landsleute seinen Querkopf. Marchionne ist für seine unkonventionellen Ideen bekannt - und dazu könnte auch zählen, den Konzernsitz in die USA zu verlegen.

Zwar hatte Marchionne noch im Mai betont, ein Standortwechsel stehe momentan nicht auf der Agenda. Doch die Spekulationen in den Medien bleiben. Denn es gäbe gute Gründe, den Fiat-Chrysler-Konzern aus den USA heraus zu führen und ihn auch an der New Yorker Börse zu notieren: Hier sitzen die Käufer, hier sitzen die Investoren, und die US-Politik gilt überdies als sehr wirtschaftsfreundlich.

Nur dank des guten Geschäfts bei Chrysler steigerte der Fiat-Konzern seinen Gewinn im zweiten Quartal auf 435 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Wert noch bei 239 Millionen Euro gelegen. Fiat allein machte jedoch wie im Vorjahreszeitraum einen Verlust von 247 Millionen Euro. Die Italiener leiden besonders unter der Absatzkrise in Europa. Die meisten Autos verkauft die Fiat-Gruppe in Nordamerika. Der Umsatz des Konzerns stieg um vier Prozent auf 22,3 Milliarden Euro.

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Kommentare zu " Chrysler stützt Autobauer: Italien kämpft um Fiat als nationales Erbe"

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  • Und wenn man bedenkt, wie viele Milliarden der doofe Daimler unter seinem "knallharten Sanierer" Zetsche bei Chrysler versenkt hat! Und die Italiener habens hinbekommen! Respekt, Ragazzi!

  • Der Vergleich mit Seat hinkt,auch wenn klar ist was gemeint ist - Seat war nie eine unabhängiger Automobilkonzern d.h. hat nie eigenständige Modelle entwickelt - Seat hat nur fremde Entwicklungen in Lizenz gebaut (in bescheidenerer Qualität.
    Fiat hingegen ist/war der Stolz einer ganzen Nation ...

  • Und warum stürzt dann die Aktie heute ab?

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